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Noch keine Schlüsselübergabe am Flugplatz Hahn

Noch keine Schlüsselübergabe am Flugplatz Hahn

Der neue Besitzer des Flughafens Hahn steht in den Startlöchern. Doch zunächst muss die EU grünes Licht geben.

Mainz/Trier Während der vor einem Jahr geplatzte Verkauf des Flughafens Hahn gestern im Innenausschuss des Landtags - und damit zum fünften Mal innerhalb von zwei Wochen im Parlament - Thema war, ist der zweite Anlauf, die rheinland-pfälzischen Anteile an dem Airport zu verkaufen, abgeschlossen. Zumindest was die Zustimmung des Landtags angeht zum Verkauf der 82,5 Prozent, die das Land am Hahn hat. Trotzdem ist der neue Besitzer, das chinesische Konsortium HNA, noch nicht Hausherr auf der ehemaligen US-Airbase im Hunsrück.

Denn noch steht die Entscheidung der EU aus, dass die vom Land dem neuen Besitzer bis 2024 zugesagten Beihilfen in Höhe von über 70 Millionen Euro rechtmäßig sind. Wie lange es noch dauert, bevor Brüssel sich dazu äußert, ist unklar. Man stehe aber Gewehr bei Fuß, sagt Christoph Goetzmann von HNA. Wenn der Daumen der EU nach oben zeige, könne man innerhalb von ein paar Tagen die Geschäfte auf dem Hahn übernehmen. Was passiert, wenn der Daumen überraschend nach unten zeigen sollte, das scheint noch unklar zu sein.

Goetzmann hatte kürzlich betont, dass der Kauf des finanziell angeschlagenen Flughafens für 15,1 Millionen Euro kein Schnäppchen sei. Es bestehe ein hoher Investitionsbedarf. Bis zu 75 Millionen Euro will HNA in die Hand nehmen, um den Flughafen für neue Kunden für den Fracht- aber auch den Passagierflug attraktiver zu machen. Die Kassen der Flughafengesellschaft scheinen ziemlich leer zu sein. Ende 2015 betrug der Kassenstand laut Jahresabschluss noch 21 Millionen Euro. Joachim Winkler, Sprecher des für den Verkauf zuständigen Innenministeriums, weist jedoch daraufhin, dass den 21 Millionen, die im Geschäftsbericht 2015 als Kassenbestand aufgeführt wurden, Verbindlichkeiten in gleicher Höhe gegenübergestanden haben. Wie hoch der Kassenstand jetzt ist, darüber schweigt das Innenministerium.

Er liegt jedoch deutlich unter dem Kaufpreis der HNA. Um den Geschäftsbetrieb der Flughafengesellschaft Aufrecht zu erhalten, hat das Land ein Darlehen von 34 Millionen Euro bereitgestellt. Drei Millionen davon sind bereits abgerufen. Die HNA muss dieses Geld nicht zurückzahlen, wie Winkler bestätigt. Der Käufer habe sich allerdings verpflichtet, das erworbene Darlehen "zur Stärkung des Eigenkapitals" in die Rücklagen der Flughafen einzulegen. Damit bekommt der neue Hahn-Besitzer zusätzlich zu den möglichen Beihilfen vom Land noch drei Millionen Euro geschenkt.

Wie es aber mit HNA auf dem Hahn weiter geht, wer von den derzeit dort abfliegenden Fluggesellschaften nach dem Verkauf bleiben wird, ist noch völlig unklar. So hat die japanische Frachtfluggesellschaft Nippon Cargo Airlines hatte bereits im vergangenen Jahr gegenüber der Flughafengesellschaft angekündigt, den Hahn zu verlassen, "wenn ein chinesischer Investor den Geschäftsanteil erwerben sollte". Das geht aus der Vorlage für den Ministerrat vom Mai vergangenen Jahres hervor, über den geplanten Verkauf der rheinland-pfälzischen Anteile an SYT. Demnach trägt die japanische Fluggesellschaft zu 20 000 Tonnen des Frachtaufkommens auf dem Hahn bei. Dass Nippon Cargo Airlines den Flughafen verlasse, dafür gebe es keine Anzeichen, sagt Noch-Hahn-Geschäftsführer Markus Bunk.

Nicht nur beim Frachtverkehr herrscht Ungewissheit im Hunsrück. Auch der Platzhirsch bei den Passagierflügen, die irische Ryanair, könnte ihr Engagement auf dem Hahn noch weiter reduzieren. Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen rechnet der Betreiber des Frankfurter Flughafens, die Fraport, damit, dass Ryanair im kommenden Jahr zwölf Maschinen dort stationiert. Derzeit sind es zwei. Mit dem Start seiner Flüge vom gerade einmal 100 Kilometer entfernten Frankfurt hat Ryanair sein Angebot auf dem Hahn ausgedünnt.

Womöglich bringt HNA einen Konkurrenten der Iren in den Hunsrück. Die Wirtschaftswoche berichtete, dass das chinesische Großunternehmen am Einstieg in die kriselnde Air Berlin interessiert sei. Fakt ist: HNA ist auf Einkaufstour in Europa. Neben dem Kauf des Hahn hat das - laut Wirtschaftswoche hoch verschuldete - Unternehmen zehn Prozent der Deutschen Bank übernommen und ist damit zum größten Anteileigner des Geldinstituts geworden.