Nostalgie, Heimatbezug: Menschen wünschen sich alte Autokennzeichen zurück

Nostalgie, Heimatbezug: Menschen wünschen sich alte Autokennzeichen zurück

BKS für Bernkastel-Kues, PRÜ für Prüm, SAB für Saarburg: Laut einer Studie der Hochschule Heilbronn wünscht sich eine große Mehrheit der Bürger alte Autokennzeichen zurück. Der Bund hat eine entsprechende Änderung angekündigt. Das Land zögert noch.

Mainz. Ralf Bochert ist Professor für Volkswirtschaftslehre in Heilbronn. Er hat in einem unabhängigen Forschungsprojekt "ein kleines, nettes Thema" angestoßen, dessen Wirkung bundesweit zu spüren ist. In 144 deutschen Städten haben Interviewer mehr als 30 000 Bürger nach ihrer Meinung zu KFZ-Kennzeichen gefragt. Das Ergebnis ist eindeutig: In Rheinland-Pfalz sprachen sich in neun Städten 74,9 Prozent von 2000 Befragten für historische Nummernschilder aus. "Überraschend" findet der Professor vor allem die hohe Zustimmung unter jüngeren Menschen (16- bis 30-Jährige), obwohl diese selbst nie ein altes Kennzeichen besessen haben - sind diese doch seit der letzten Gebietsreform vor fast 40 Jahren von den Straßen verschwunden. Alte Kennzeichen böten den Menschen Identifikation mit ihrer Heimat, sagt Borchert. Und: "Das Kennzeichen ist das wichtigste Symbol für die Marke der Stadt."
Die hohe Akzeptanz der Bürger bestärkt auch Wolfgang Port, Stadtbürgermeister von Bernkastel-Kues, in seiner Meinung. Touristischen Anziehungspunkten wie Bernkastel-Kues böten sich Vermarktungspotenziale. Dem Kreis eröffneten sich neue Einnahmemöglichkeiten durch Ummeldungen, für die rund 40 Euro Gebühr entstünden. Der Stadtrat habe einstimmig dafür votiert.
Damit befindet sich Bernkastel-Kues in bester Gesellschaft. Laut Borchert haben sich seit Beginn des Projekts 2010 bereits 180 deutsche Städte durch Ratsbeschlüsse für das eigene Kennzeichen ausgesprochen.
Kritiker erheben Einwände. "Wir haben Verständnis für die Initiative. Sie stiftet regionale Identität und ist touristisch interessant. Aber der Verwaltungsaufwand erhöht sich, und das vor dem Hintergrund der Kostendiskussion in allen Kommunen", sagt Thomas Müller, Pressesprecher des Kreises Trier-Saarburg. Es gebe auch eine Diskussion um lebenslange Kennzeichen, so dass bei Umzügen keine Kosten mehr für die Bürger entstünden.
Ralf Bochert lässt das nicht gelten. Man müsse nur die EDV umprogrammieren, was nichts koste. "Vorsichtig gesprochen Kleinkram." Lebenslange Kennzeichen, etwa mit Versicherungsnummern wie in Frankreich, werde es nicht geben. Der Bund habe bekräftigt, dass am Städtebezug auf den Kennzeichen festgehalten werde. "Man täte sich politisch keinen Gefallen, denn die Menschen wollen das nicht."
Das Mainzer Verkehrsministerium pocht auf ein einheitliches Verfahren bei der Fahrzeugzulassung in Deutschland. "Eine endgültige Entscheidung für die Wiedereinführung der Altkennzeichen ist noch nicht getroffen worden", heißt es auf TV-Anfrage. Noch habe kein Kreis Wünsche geäußert. 13 Städte kämen infrage: Bad Bergzabern, Bernkastel-Kues, Bingen, Diez, Mayen, Montabaur, Prüm, Rockenhausen, Saarburg, St. Goar, St. Goarshausen, Westerburg, Zell.Extra

Welche Autokennzeichen in Deutschland erlaubt sind, regelt die Zulassungsverordnung. Will der Bund sie ändern (er hat am 16. Dezember einen Vorstoß angekündigt), ist das im Bundesrat zustimmungspflichtig. Bis zum 1. April wird nun erfasst, welche Kennzeichen zusätzlich zu den geltenden Zulassungen als Wahl-Nummernschild wieder ausgegeben werden sollen. Ist die Verordnung geändert, sind die Länder zuständig. Hessen und Niedersachsen machen sich für eine Liberalisierung der Kennzeichen stark. In vielen Ländern ist das Wunschkennzeichen schon beschlossen. Zuletzt hat Nordrhein-Westfalen seinen Widerstand aufgegeben.fcg

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