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Notaufnahme in Nöten: Zu viele Patienten, zu lange Wartezeiten

Notaufnahme in Nöten: Zu viele Patienten, zu lange Wartezeiten

Patienten klagen über stundenlanges Warten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser in der Region. Die Kliniken sehen im Mangel an niedergelassenen Ärzten den Grund dafür. Die Ärzte wiederum werfen den Krankenhäusern vor, mit unechten Notfällen Geld zu verdienen.

Elf Stunden hätten er und seine Frau in der Notaufnahme des Trierer Brüderkrankenhauses verbracht, bevor sie mit der Diagnose Blockade des Rückenwirbels wieder nach Hause geschickt worden sei. Das, was TV-Leser Hans Dieter S. aus Mehring (Kreis Trier-Saarburg) schildert, ist kein Einzelfall. Stundenlange Wartezeiten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser der Region sind die Regel.

Fast 100.000 Patienten wurden dort im vergangenen Jahr behandelt. Allein in den Trierer Kliniken waren es fast 75.000. Tendenz steigend. Im Bitburger Krankenhaus hat sich die Zahl der Notfallpatienten im vergangenen Jahr um zwölf Prozent erhöht. Nicht jeder sei aber ein echter Notfall gewesen, heißt es übereinstimmend aus den Krankenhäusern. Viele kämen auch mit Bagatell-Erkrankungen in die Notaufnahme oder seien verunsichert und vermuteten bereits hinter einfachen Symptomen eine lebensbedrohliche Erkrankung, sagt Oliver Kunitz, medizinischer Geschäftsführer des Trierer Mutterhauses.

Einige Patienten wollten nicht während der Arbeitszeit zum Arzt gehen und nähmen lieber dann abends Wartezeiten in der Notaufnahme des Krankenhauses in Kauf, sagt Ulrike Schnell, Chefin des Verbundkrankenhauses Bernkastel/Wittlich. Die steigende Zahl der Notfallpatienten hänge auch mit dem Mangel an Fachärzten und den Praxiszeiten der niedergelassenen Ärzte zusammen. Die Notaufnahmen würden immer mehr zum Lückenbüßer für die eigentlich zuständigen Bereitschaftsdienste der Kassenärzte, klagt die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz wehrt sich gegen die Vorwürfe. Statt die "irrtümlich vorstelligen" Patienten an die oft nur wenige Meter entfernte Bereitschaftsdienstzentrale, die es mittlerweile auch in vielen Krankenhäusern in der Region gibt, zu verweisen, würden diese Patienten "wie selbstverständlich in den Notaufnahmen" behandelt, sagt KV-Chefin Sigrid Ultes-Kaiser. Den Kliniken seien Patienten in der Notaufnahme wegen der zusätzlichen Einnahmen oft willkommen.

Dem widersprechen die Kliniken. Dem durchschnittlichen Erlös von 32 Euro pro ambulantem Notfall stünden Kosten von mehr als 120 Euro gegenüber. Eine Notaufnahme, bei der ständig Ärzte vorgehalten werden müssen, sei nicht kostendeckend, sagt Holger Brandt, Geschäftsführer des Saarburger Kreiskrankenhauses. Die Ausgaben könnten nur durch Notfallpatienten, die stationär aufgenommen würden, gedeckt werden.