Notfalls nach China

BITBURG. Die Bauern schlagen zurück: Wenn die Bitburger Brauerei keinen Wert mehr auf das Reinheitsgebot lege und künftig auf Gerste verzichte, werde man das Getreide dem verkaufen, der am meisten dafür biete – notfalls auch an China, sagt Bitburg-Prüms Bauernpräsident Michael Horper.

Nach wie vor schlagen die Äußerungen von Bitburger-Chef Axel Simon beim Braugerstentag hohe Wellen. Angesichts stark steigender Preise für Braugerste hatte er geäußert, auch das Reinheitsgebot für Bier unterliege der Marktwirtschaft, und notfalls werde man eben auf Gerste verzichten und sie durch Reis oder Mais ersetzen (der TV berichtete). Obwohl Simon am Donnerstag in einem Interview mit dem SWR seine Aussagen relativiert hat, bleibt der Chef des Bauernverbandes Bitburg Prüm, Michael Horper, bei seiner Kritik: "Das ist ein Schlag ins Gesicht. Dass Bitburger darüber nachdenkt, aus dem Reinheitsgebot auszusteigen, kam für uns völlig überraschend." Auch der Brauer-Bund hat sich in die Diskussion eingeschaltet. "Das Reinheitsgebot für deutsches Bier steht nicht zur Diskussion", erklärt Präsident und Karlsberg-Chef Richard Weber. Horper sieht in der Ankündigung Simons eine Drohung. Man wolle die Bauern unter Druck setzen, ihre Braugerste weiterhin unter Marktwert zu verkaufen. Doch der Bauernfunktionär kündigt Widerstand an: "Die Landwirte werden sich nicht mehr länger gefallen lassen, unrentabel zu arbeiten." Die Erträge seien in den vergangenen Jahren weiter zurückgegangen. Würden künftig nicht mindestens 16 oder 17 Euro pro Doppelzentner Braugerste bezahlt - derzeit liegt der Preis zwischen zehn und zwölf Euro - , werde künftig keine Braugerste mehr in der Eifel angebaut. Bereits in den vergangenen Jahren ist die Anbaufläche um 15 Prozent zurückgegangen. Dann werde verstärkt Mais angebaut, der in Biogas-Anlagen verfeuert werde. Damit lasse sich derzeit Geld verdienen. Horper macht keinen Hehl daraus, dass die Bauern nicht auf die Brauerei angewiesen sind: "Wer uns am meisten dafür bezahlt, wird die Gerste bekommen - auch wenn es chinesische Brauer sind." China hat sich für 2007 bereits rund 300 000 Tonnen Braugerste vor allem aus Australien gesichert.