Nürburgring: Chronik

5. Mai 2004: Das Gelände um den Formel 1-Kurs Nürburgring soll bis zum Ende des Jahrzehnts zu einer Erlebnisregion werden. Die Nürburgring GmbH will ein in Europa einmaliges Ferien- und Businesszentrum schaffen.Mit dem Projekt sollen 500 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden, hinzu kommen weitere rund 2500 im Umfeld.27.

September 2005: Mit der Entwicklung und Bauplanung beauftragt die Nürburgring GmbH den Aachener Architekten Hermann Tilke. Bis zu 200 Millionen Euro will die Nürburgring GmbH zusammen mit privaten Geldgebern in das Projekt investieren.

19. November 2007: Der Weg für die geplante Erlebnisregion ist frei. Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) kündigt den ersten Spatenstich für das 215-Millionen-Euro-Projekt an. Rund 80 Millionen Euro der Gesamtinvestitionssumme übernehme ein Großinvestor, der unter anderem ein Hotel baue. Die restlichen 135 Millionen Euro lägen in der Verantwortung der Nürburgring GmbH. Diese gehört zu 90 Prozent dem Land und zu zehn Prozent dem Kreis Ahrweiler.
15. Januar 2009: Um das Großprojekt entbrennt ein Streit. Auslöser der Querelen sind Berichte des Trierischen Volksfreunds, nach denen das Land dem Projektentwickler Mediinvest mit einem raschen Darlehen über drei Millionen Euro aus einer finanziellen Klemme geholfen hat.

21. Januar 2009: Der Bau des Freizeitzentrums wird teurer als geplant: Die Nürburgring GmbH und Mediinvest (Düsseldorf) bestätigen Angaben, wonach es auf eine Summe von 250 Millionen Euro hinausläuft.

22. Januar 2009: Eine kräftige Finanzspritze der landeseigenen Wirtschaftsförderbank ISB Rheinland-Pfalz rettet das Projekt. Die Hilfe sei nötig geworden, nachdem bei Mediinvest ein Kredit von rund 60 Millionen Euro weggebrochen sei, erläutert Finanzminister Deubel.

6. März 2009: Die CDU-Opposition wirft Finanzminister Deubel Täuschung des Parlaments vor. Im Wirtschaftsausschuss des Landtags habe er angegeben, ein Millionenkredit der Nürburgring GmbH an einen Privatinvestor im Herbst 2008 sei grundbuchlich abgesichert worden. Tatsächlich sei das nie geschehen.

20. Mai 2009: Erneute Verzögerung der Finanzierung. Die erste Tranche für die Immobilien solle nach Aussage von Deubel aber in Kürze fließen.

28. Mai 2009: Es wird bekannt, dass eine eingebundene Bank noch eine sogenannte Reputationsprüfung vornimmt. Hierbei analysiert das Geldinstitut, ob bei einem Geschäft ihr Ansehen leiden könne. Kurze Zeit später zieht sich die Bank aus dem Projekt zurück.

10. Juni 2009: Wegen verschwundener Geheimdokumente zu dem Projekt durchsucht die Staatsanwaltschaft Koblenz mehrere Wohn- und Geschäftsräume. Die Behörde ermittelt gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Nürburgring GmbH und einen Journalisten wegen des Verrats von Geschäftsgeheimnissen.

16. Juni 2009: Deubel sagt bei einer Pressekonferenz, das Geschäft sei in trockenen Tüchern.

24. Juni 2009: Die CDU droht mit einem Untersuchungsausschuss.

1. Juli 2009: Der Geschäftsführer der Nürburgring GmbH, Walter Kafitz, kündigt an, dass zur offiziellen Eröffnung des neuen Freizeit- und Geschäftszentrums am 9. Juli nicht alle geplanten Komplexe fertig werden.

7. Juli 2009: Deubel tritt wegen der geplatzten Privatfinanzierung für das Projekt zurück.

3. September 2009: Der Landtag beschließt die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses.

Dezember 2009: Das Land gibt das Nürburgring-Management an eine neue Betriebsgesellschaft ab, an der die mittelständische Hotelgruppe Lindner und der Projektentwickler Mediinvest je zur Hälfte beteiligt sind. Die neue Betriebsgesellschaft Nürburgring Automotive GmbH (NAG) will die Attraktionen des inzwischen mehr als 300 Millionen Euro teuren Freizeitkomplexes bündeln und effizienter betreiben. Der langjährige Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz wird gefeuert.

Juni 2010: Die Koblenzer Staatsanwaltschaft leitet gegen den früheren Finanzminister Ingolf Deubel und sieben weitere Verantwortliche, darunter Mediinvest-Geschäftsführer Kai Richter, Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs ein.

September 2011: Die Betreiber kündigen an, diverse Einrichtungen auf dem Nürburgring wegen Besuchermangels im Winter zu schließen. Auch von Entlassungen ist erstmals die Rede. Gleichzeitig wird bekannt, dass die Besucherzahlen am Ring über Jahre hinweg geschönt wurden.

Dezember 2011: Die Betreiber kündigen an, den Freizeitpark auf Dauer verkleinern zu wollen, um die Pacht zahlen zu können. Die rheinland-pfälzische SPD bringt erstmals eine Neuausschreibung der Verträge ins Gespräch, falls die Betreibergesellschaft es nicht schaffe, die Pacht zu erwirtschaften.

30. Januar 2012: Das Tischtuch zwischen Politik und Ringbetreibern ist endgültig zerschnitten. Bei einer Diskussion am Ring gehen Vertreter aller Parteien auf Distanz zur NAG.

7. Februar 2012: Die Landesregierung kündigt den Ring-Pächtern und will den Betrieb neu ausschreiben. sey/fcg