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Nürburgring: Gutachter gibt Planer Hauptschuld

Nürburgring: Gutachter gibt Planer Hauptschuld

Gerichte werden klären müssen, wer für die Kostenexplosion beim Bau des 330 Millionen Euro teuren Freizeitzentrums am Nürburgring verantwortlich ist. Der Untersuchungsausschuss des Landtags hat keine abschließenden Antworten gefunden.

Mainz. Das mit Abgeordneten besetzte Gremium vernahm am Montag vier sachverständige Zeugen. Die bemerkenswerteste Auskunft erteilte Anwalt Alexander Leidig von der Kanzlei Redeker, die von der nahezu landeseigenen Nürburgring GmbH damit beauftragt worden ist, Regressansprüche zu prüfen: "Es gibt noch keine Schlussrechnung. Für Schlussfolgerungen ist es daher zu früh." Zahlen zu nennen "wäre absolut unserös". Ebendies hatte vor geraumer Zeit Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) getan, als er die Ersatzansprüche gegenüber dem Generalplaner beim Bau des Freizeitzentrums, Hermann Tilke, auf 36 Millionen Euro beziffert hatte.

Ursprünglich sollten die neuen Bauten an der Eifel-Rennstrecke 215 Millionen Euro kosten. Laut Leidig werden drei Kategorien untersucht, die ursächlich für die Kostensteigerungen auf 330 Millionen sind: Nachträge auf Wunsch des Bauherren (etwa für eine LCD-Leinwand) oder durch Materialpreis-Erhöhungen, unvollständige oder unkorrekte Leistungsbeschreibungen in Ausschreibungen sowie Mehrkosten durch Behinderungen oder Beschleunigungen beim Bauen.

Die Arcadis Immobilien Consulting GmbH in Frankfurt hat im Auftrag der Nürburgring GmbH zwei Gutachten über die Baukosten erstellt. Eine dritte Expertise sei in Arbeit, sagte Arcadis-Vertreter Michael Zink im U-Ausschuss. Fazit: Generalplaner Tilke sei durch "Fehlverhalten vor und während der Bauphase" maßgeblich für die Verteuerungen verantwortlich. Die Baumaßnahmen seien "nicht sauber koordiniert worden". Auf Nachfrage von Günter Eymael (FDP), ob auch Fehler beim Auftraggeber Nürburgring GmbH entdeckt worden seien, wich Zink aus.

Als Sachverständiger für den Baubetrieb untersucht Frank Wischerhoff die Zusatzkosten durch nachträgliche Aufträge. In zwölf bis 15 Themenkomplexen würden die Ursachen ermittelt und zugeordnet. Auftraggeber ist ebenfalls die Nürburgring GmbH. Von daher sei es "definitiv ein Parteigutachten", sagte Wischerhoff. Eben deshalb wertet Axel Wilke (CDU), die Zeugenbefragung sei "unergiebig" gewesen, die "eigentliche Aufklärungsarbeit gebremst worden". SPD-Obmann Clemens Hoch hält dagegen fest, die Angaben von Formel-1-Architekt Tilke in einer vorherigen Ausschuss-Sitzung seien widerlegt worden.