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Nürburgring-Prozess: Ex-Minister Deubel nennt Anklage "sehr absurd"

Nürburgring-Prozess: Ex-Minister Deubel nennt Anklage "sehr absurd"

Im Untreue-Prozess zum Nürburgring wird morgen mit weiteren Aussagen des ehemaligen rheinland-pfälzischen Finanzministers Ingolf Deubel (SPD) gerechnet. Deubel hatte am zweiten Prozesstag vor dem Koblenzer Landgericht damit begonnen, aus einer mehr als 200-seitigen Stellungnahme vorzulesen, und dabei die gegen ihn erhobenen Vorwürfe strikt zurückgewiesen.

Mainz. Mit scharfer Kritik an der Staatsanwaltschaft Koblenz wehrt sich Ex-Finanzminister und Aufsichtsratsboss Ingolf Deubel (SPD) vor dem Landgericht Koblenz gegen schwere Untreue-Vorwürfe im Nürburgring-Skandal. Am zweiten Tag des Prozesses gegen Deubel sowie drei Ring-Verantwortliche und zwei Bankmanager bezeichnete der Ex-Minister die Anklage gegen ihn als "sehr absurd" und "teils beleidigend". Die Staatsanwaltschaft habe sich von Anfang an nur am Rande "für den Betrüger", aber vor allem für die Betrogenen interessiert. Die Anklagebehörde hat sich, so Deubels Verteidigung, früh und einseitig auf ihn als Haupttäter festgelegt. Dabei geht es um Vorwürfe, etwa zwölf Millionen Euro an Landesvermögen gefährdet und Hunderttausende Euro grundlos ausgegeben zu haben.
Deubel sieht sich bei der gescheiterten Privatfinanzierung des mindestens 330 Millionen Euro teuren Ringausbaus als Opfer der "offensichtlich kriminellen Machenschaften" des Schweizer Finanzvermittlers Urs Barandun, der ihm statt eines amerikanischen Multimillionärs nur ungedeckte Schecks präsentiert hatte. Trotz Heiserkeit rechnet Deubel mit schneidend-scharfem Ton nicht nur mit der Staatsanwaltschaft ab, sondern auch mit ihrem "Kronzeugen", dem früheren Controller der Nürburgring GmbH, Michael Nuß-Kaltenborn.
Luxus auf Staatskosten


Der Ex-Minister und Professor, der noch tagelang reden will, hält die ihn schwer belastenden Aussagen von Nuß-Kaltenborn für teils "erstunken und gelogen".
Dies gilt vor allem dem "vertraulichen Vermerk" des Controllers, der das Luxusleben samt Champagnerorgien und Ausflügen ins Rotlicht auf Staatskosten in Zürich schildert. Deubel bezweifelt, dass der Vermerk tatsächlich am 12. Mai 2009 geschrieben worden ist, weil Nuß-Kaltenborn dann wohl dank enormer hellseherischer Fähigkeiten habe vorrechnen können, was erst einen Monat später verprasst und dann wie immer über die Kreditkarte der fast landeseigenen Nürburgring GmbH abgerechnet wurde. Nuß-Kaltenborn hat Deubels Agieren so geschildert, dass der Minister als Aufsichtsratsboss quasi die Geschäfte am Ring übernommen und Weisungen für aus seiner, Nuß-Kaltenborns, Sicht umstrittene Aktionen gegeben hatte.