Nürburgringsanierer wehren sich gegen Kritik

Nürburg/Koblenz · Im Streit um den Verkauf des Nürburgrings wird der Ton rauer. Die Sanierer der insolventen Eifel-rennstrecke werfen Kritikern um den Verein Ja zum Nürburgring vor, mit falschen Behauptungen Ängste zu schüren. Der Verein hält dagegen und fordert, den Verkaufsprozess zu stoppen.

Nürburg/Koblenz. Das hat es in der abwechslungsreichen Geschichte des Nürburgrings noch nicht gegeben. Verkaufsgegner und Sanierer haben gestern innerhalb weniger Stunden mit zwei Pressekonferenzen versucht, die Deutungshoheit im Streit um den Investorenprozess zu gewinnen. Beide Seiten traten dabei mit Leidenschaft und Überzeugungskraft auf.
Auslöser sind die Eingaben des Vereins Ja zum Nürburgring und des Automobilclubs ADAC. Sie wollen den Verkauf der Rennstrecke mit europarechtlichen Bedenken verhindern. Die Sanierer Jens Lieser und Thomas B. Schmidt bemängeln indes, dass die Öffentlichkeit hier gegen besseres Wissen in die Irre geführt werde. "Der Verkaufsprozess kann nicht gestoppt werden", betonen beide. Der denkwürdige Tag im Überblick.

Pressekonferenz von Ja zum Nürburgring, Dorint-Hotel an der Rennstrecke, 11 Uhr: Otto Flimm und Dieter Frey, der Vorsitzende und der Rechtsanwalt des Vereins Ja zum Nürburgring, lassen kein gutes Haar an dem laufenden Verkaufsprozess. Ihrer Ansicht nach strotzt er nur so von Fehlern. Ihre Kernargumente: Bieter auf das gesamte Areal werden bevorzugt, die Liquidität der Bieter wurde nur unzureichend geprüft, der von EU verlangte Systembruch blieb aus.
Frey und Flimm sind sich sicher, dass angesichts dieser Mängel der angestrebte Verkauf des Rings im Februar oder März unmöglich ist. Daher haben sie sich an die EU gewandt (der TV berichtete). Und sie wehren sich gegen den Vorwurf, ein Aussetzen des Investorenprozesses könnte das Aus für den Betrieb der Rennstrecke bedeuten. "Es besteht keine Gefahr für den Nürburgring", beteuert Otto Flimm. "Der Rennbetrieb muss laufen, sonst sinkt der Verkaufspreis, was nicht im Interesse Brüssels liegt."
Flimm hält auch wenig von den Kaufabsichten des Düsseldorfer Unternehmens Capricorn. "Sie müssen den Kauf voll finanzieren, also anschließend gewinnorientiert arbeiten", meint er. Flimm und andere fürchten, dass die Preise für Motorsportveranstaltungen folglich in die Höhe schnellen werden. Mit Formel-1-Matador Bernie Ecclestone, einem weiteren Interessenten, will Flimm demnächst ein Gespräch führen. Beide kennen sich lange. Im Saal sind viele Ringaktivisten. Die Stimmung ist angespannt. Emotionen kochen hoch. Viele fühlen sich von den Sanierern verkauft und von der Politik verraten. Nürburgs Ortsbürgermeister Reinhold Schüssler appelliert an die eigenen Leute in der Region, gemeinsam ihre Stimme zu erheben: "Viele haben immer noch nicht begriffen, dass es jetzt ums Ganze geht."

Pressegespräch der Insolvenzverwalter in der Kanzlei Lieser, Koblenz, 13.30 Uhr: Die Ringsanierer Jens Lieser und Thomas B. Schmidt können ihren Ärger nur mühsam unterdrücken. Aus ihrer Sicht ist der Verkaufsprozess schon schwierig genug, das Störfeuer von Ja zum Nürburgring und ADAC können sie nicht gebrauchen.
Schmidt spricht von "Nebelkerzen", die den Sachverhalt verschleiern würden. Dieser Sachverhalt lautet nach Ansicht der Insolvenzverwalter wie folgt: Der Verkauf des Rings ist zwingend und wird nicht "per Dekret" (Lieser) gestoppt. Der eingeschlagene Weg wurde mit der EU abgeklärt. Alle Einwände werden geprüft, erscheinen aber auf den ersten Blick nicht als stichhaltig.
Thomas B. Schmidt in der Pressekonferenz weiter: "Ich kenne kein Memorandum, das aufschiebende Wirkung hat." Denn etwas anderes stellen die Eingaben von Ja zum Ring und ADAC ihrer Ansicht nach nicht dar.
Die Sanierer verwahren sich unisono gegen den Vorwurf, das Verfahren habe gravierende Mängel. "Niemand hat ein größeres Interesse daran, dass der Verkaufsprozess korrekt durchgeführt wird, da wir gegebenenfalls persönlich haften", betonen sie beide.