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Nürburgringverkauf wird zur Brüsseler Hängepartie

Nürburgringverkauf wird zur Brüsseler Hängepartie

Lange Zeit schien alles klar: "Der Verkauf des Nürburgrings an das Düsseldorfer Unternehmen Capricorn ist quasi in trockenen Tüchern", hieß es in Mainz und Brüssel sinngemäß. Doch inzwischen macht sich Unsicherheit breit.

Mainz/Brüssel. Die EU-Kommission hat ihr finales Votum zum Nürburgringverkauf mehrfach verschoben - angeblich, um es rechtssicher zu machen. Nach neuesten Informationen nimmt Brüssel die Bedenken der Kritiker des Investorenprozesses inzwischen ernster als bisher angenommen. Zudem erschweren personelle Veränderungen in der EU-Wettbewerbsbehörde den überfälligen Abschluss des brisanten Falles. Die Folge: eine nervtötende Hängepartie.
Offiziell herrscht nach der Sommerpause Klarheit, also im September. Doch auf derartige Terminankündigungen ist kaum mehr Verlass. Keiner weiß sicher, ob sich das EU-Votum zum Ringverkauf nicht noch um Monate verzögert - vielleicht sogar über die auslaufende Amtszeit von Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hinaus. Selbst das komplette Scheitern des Investorenprozesses ist keine absurde Vorstellung mehr.Amerikaner ziehen alle Register


Beschwerden und Einwände gegen den Verkaufsprozess wurden reichlich vorgebracht. Der ADAC, der Verein Ja zum Nürburgring, die unterlegenen Bieter H.I.G. und Nexovation haben dicke Schriftsätze zur EU-Wettbewerbsbehörde geschickt. Vor allem die Amerikaner machen Druck. Das US-Konsortium Nex-ovation wollte 110 Millionen Euro in bar für den Ring hinblättern - und 150 Millionen insgesamt. Das ist weit mehr als die 77 Millionen Euro von Capricorn.
Nexovation galt bei Kennern der Szene bislang nicht gerade als zuverlässiger Kandidat, um den Nürburgring in eine gesicherte Zukunft zu führen. Selbst eingefleischten Verkaufsgegnern ist Capricorn lieber als der US-Konzern, dessen vollmundige Ankündigungen, über eine halbe Milliarde Euro in der Eifel zu investieren, eher nach einem PR-Gag klangen. Lange wurde zudem kolportiert, dass der US-Konzern zwar gerne große Summen offerierte, aber nie ein belastbares und sauber durchfinanziertes Angebot vorgelegt habe, wenn es tatsächlich zum Schwur kam. Schon gar nicht rechtzeitig.
Doch Nexovation liefert Brüssel und den Insolvenzverwaltern inzwischen einen großen Kampf. Die Anwälte des Konsortiums greifen den Verkaufsprozess nach jüngsten Informationen breit an. Das US-Unternehmen suggeriert, dass Capricorn systematisch bevorzugt wurde.

Weitere Kritikpunkte: Die Unternehmensberatung KPMG, die den Verkauf operativ abwickelte, verglich bei der entscheidenden Gläubigerversammlung angeblich nur die Angebote von H.I.G und Capricorn, nicht aber das von Nexovation. KPMG soll zudem Druck auf den Gläubigerausschuss ausgeübt haben. Weitere Mängel: Das Verfahren lief nicht - wie üblich - in Englisch.
Nexovation stieß mit dieser Kritik bislang auf wenig Wohlwollen in Brüssel. Inzwischen hat es aber auf der Arbeitsebene ein paar Personalwechsel gegeben. Die neuen Mitarbeiter müssen sich einarbeiten, scheinen den Argumenten von Nexovation mehr Gehör zu schenken. Sie wollen keine Klage riskieren. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hat den Insolvenzverwaltern im Gespräch mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zwar jüngst noch einmal eine gute Arbeit bescheinigt, aber der riesige EU-Apparat kennt seine eigenen Gesetze. Wie Brüssel den Verkauf des Rings am Ende bewertet, wird von Tag zu Tag unkalkulierbarer.Extra

Nach dem Aus der Open-Air-Veranstaltung Rock am Ring in der Eifel kann sich die Stadt Mönchengladbach ein ähnliches Festival grundsätzlich vorstellen. Das habe eine erste Prüfung ergeben, sagte ein Sprecher der Stadt am Mittwoch. Mit der Konzertagentur sei bereits über Umweltschutz, Parkplätze, Verkehr und Immissionsschutz gesprochen worden. Eine Reihe von Details sei jedoch noch ungeklärt. Der Konzertveranstalter Marek Lieberberg will nach Mönchengladbach ausweichen, weil der neue Eigner am Nürburgring eine neue Veranstaltungsreihe plant. dpa