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Nullvariante statt Lückenschluss?

Nullvariante statt Lückenschluss?

In der Eifel wachsen die Zweifel am Lückenschluss der A 1. Was nicht ganz unbegründet zu sein scheint. Ein klares Bekenntnis zum Fertigbau der Autobahn gibt es aus Mainz derzeit nicht. Dort verweist man auf naturschutzrechtliche Planungen und eine unsichere Finanzierung.

Trier. Hans Ludwig ist sauer. Der Spediteur aus Dockweiler (Vulkaneifelkreis) kämpft seit Jahren für den Lückenschluss der A 1: "Vor 30 Jahren wurde vielen Unternehmern eine Autobahnanbindung Richtung Norden versprochen. Der Tourismus und die gesunde Landschaft Vulkaneifel würden davon profitieren, wenn kurze und schnelle Wege nach Norden führten. Es wäre Indus-trieansiedlung denkbar, die wir für Arbeitsplätze bei uns dringendst brauchen", ereifert sich Ludwig. "Es gibt keine Alternative zum Lückenschluss."
"Nullvariante ist eine Frechheit"

 In der Eifel wird ein Stillstand beim Lückenschluss der A 1 befürchtet. Ein Kernstück des Projekts ist die neue Brücke bei Daun. TV-Foto: Klaus Kimmling
In der Eifel wird ein Stillstand beim Lückenschluss der A 1 befürchtet. Ein Kernstück des Projekts ist die neue Brücke bei Daun. TV-Foto: Klaus Kimmling


Die von der Landesregierung ins Spiel gebrachte Nullvariante, also eine Planung ohne den Bau der Restautobahn, hält der Spediteur für eine Frechheit. Genau wie die Industrie- und Handelskammern (IHK) in Trier, Koblenz und Aachen sieht Ludwig darin eine Verzögerungstaktik. Die drei Kammerpräsidenten fordern Ministerpräsident Kurt Beck auf, im "Interesse der regionalen Wirtschaft und der Menschen in der Eifel" gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen die Fertigstellung des A-1-Lückenschlusses zügig voranzutreiben.
Vergangene Woche hat sich auch der rheinland-pfälzische Landtag mit dem Thema beschäftigt. Auf Antrag von SPD und Grünen ist beschlossen worden, dass, wenn die Ergebnisse der Untersuchung der Nullvariante und der naturschutzrechtlichen Planungen vorliegen, die Landesregierung entscheiden wird, welche "weiteren Planungsschritte für die verkehrsgünstigste Straßenverbindung in der Eifel aufzunehmen sind". Das klingt nicht wie ein klares Bekenntnis zur A 1. Auch wenn aus dem für die Infrastruktur zuständigen Innenministerium weiterhin verlautet, dass die Planungen für den Lückenschluss weitergingen. Es gebe keine Verzögerung, heißt es übereinstimmend aus Mainz und Düsseldorf. Laut nordrhein-westfälischem Verkehrsministerium hat der Lückenschluss eine "weit vorangetriebene Planung". Zurzeit laufe die Beteiligung der Naturschutzverbände. Der Bau des 25 Kilometer langen noch fehlenden Autobahnstücks sei im Bedarfsplan des Bundesverkehrsministeriums mit dem Zusatz "mit besonderem naturschutzfachlichem Planungsauftrag" versehen, erläutert eine Düsseldorfer Ministeriumssprecherin.
Was das konkret bedeutet, erklärt David Freichel, Sprecher des rheinland-pfälzischen Innenministeriums. Die Einstufung habe zur Folge, dass ein entsprechender Bericht an den Bund erforderlich werde. Der Lückenschluss betreffe insgesamt fünf spezielle Naturschutzgebiete. Daher, so Freichel, müssten die Planungen mit "besonderer Sorgfalt" umgesetzt werden. Und Sorgfalt gehe vor übertriebener Eile, heißt es aus Düsseldorf. Daher müsse in beiden Ländern alles getan werden, was zu einem rechtssicheren Planfeststellungsbeschluss führen könne.
Auch die Finanzierung einer solchen Maßnahme werde erst nach Vorliegen des Baurechts gesichert. Offenbar zweifelt die Landesregierung an der Finanzierungszusage des Bundes für den Lückenschluss. In Berlin wiederum verweist man auf den gültigen Bedarfsplan. Danach ist die Fertigstellung der A 1 im vordringlichen Bedarf, auch die Finanzierung (340 Millionen Euro) sei sichergestellt.
Doch im Vulkaneifelkreis scheint kaum noch jemand an den Bau zu glauben. Spediteur Ludwig ist sicher: "Die Autobahn kommt nicht." Das bedeutet für ihn, dass sich seine 38 LKW weiter durch die Orte quälen müssen. Auch der Kreistag in Daun befürchtet einen Stillstand. Im Juni ist eine Resolution verabschiedet worden: Mit dem Lückenschluss würde die Verkehrsbelastung in den Dörfern zurückgehen. Am Montag will der Kreistag eine parteiübergreifende Unterschriftenaktion zum Weiterbau der A 1 beschließen. Die A 1 führt von Heiligenhafen an der Ostsee nach Saarbrücken und ist 732 Kilometer lang. Seit Anfang der 1980er Jahre ist geplant, die Lücke durch die Eifel zu schließen. Seit 2003 zählt die Maßnahme zum vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. Der Abschnitt zwischen Daun und Rengen ist schon seit einigen Jahren fertig. Derzeit wird das Teilstück zwischen Rengen und Kelberg gebaut. red