"Nur dumme Leute denken, dass das schlecht wäre"

"Nur dumme Leute denken, dass das schlecht wäre"

Der designierte US-Präsident Donald Trump will gute Beziehungen zu Russland verfolgen - trotz der Überzeugung der US-Geheimdienste, dass Kremlchef Wladimir Putin persönlich Hackerangriffe zur Beeinflussung der US-Wahl angeordnet hat.

Washington. Donald Trump tat, was er immer tut, wenn er dem politischen Tagesgeschehen seinen eigenen Spin geben will. Er schrieb Tweets. Nur dass er diesmal, nach der Veröffentlichung eines Geheimdienstberichts über russische Hackerangriffe, eine wahre Lawine an Kurznachrichten ins Rollen brachte.
Kaum war publik geworden, dass CIA und NSA im russischen Staatschef Wladimir Putin den Drahtzieher einer Cyberattacke gegen die amerikanischen Demokraten um Hillary Clinton sahen, blies der designierte US-Präsident via Twitter zum Gegenangriff. Gute Beziehungen zu Russland zu haben sei eine gute Sache, schrieb er am Samstagnachmittag. "Nur dumme Leute,oder Einfaltspinsel würden denken, dass so etwas schlecht wäre." Acht Minuten darauf schob er hinterher, dass es rund um den Globus bereits genügend Probleme gebe und man nicht noch ein zusätzliches brauche. Wenn er erst im Oval Office sitze, werde "Russland uns viel mehr respektieren, als das jetzt der Fall ist", orakelte er, um wiederum elf Minuten später hinzuzufügen: "Beide Länder werden - vielleicht - zusammenarbeiten, um einige der größten und drängendsten Probleme der Welt zu lösen."
An der Weltsicht des Milliardärs hat er de facto überhaupt nichts geändert, der 14 Seiten lange Report, in dem die wichtigsten Geheimdienste der USA Putin vorwerfen, eine gezielte Kampagne angeordnet zu haben, um Trump zum Sieg zu verhelfen. Russlands Ziel sei es gewesen, das Vertrauen der amerikanischen Wähler in den demokratischen Prozess zu untergraben, Hillary Clinton zu verunglimpfen und damit ihrer potenziellen Präsidentschaft zu schaden, lautet die Kernaussage.
Dabei sei der Versuch der Einflussnahme weit darüber hinausgegangen, die E-Mails des Parteiapparats der Demokraten oder des Clinton-Vertrauten John Podesta zu erbeuten und an Wiki-leaks weiterzugeben. Moskau, heißt es in der Analyse, habe auch Trump-freundliche Nutzer sozialer Netzwerke bezahlt und sich des Staatssenders Russia Today bedient, der "konstant negativ" über Clinton berichtet habe.
Das Motiv? Putin sei schlecht auf die frühere Außenministerin zu sprechen, seit sie Ende 2011 und Anfang 2012, wie er glaube, Protestdemonstrationen gegen seine Herrschaft initiiert habe. Putin, so die Autoren, habe überdies gute Erfahrungen mit westlichen Politikern gemacht, die aus Geschäftsinteressen heraus eher zur Kooperation mit Russland tendierten. Als Beispiele werden der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und der ehemalige italienische Regierungschef Silvio Berlusconi genannt. Was allerdings fehlt in dem Bericht, zumindest in seiner öffentlichen, stark redigierten Version, sind konkrete Beweise, die belegen, wie die Schlapphüte zu ihren Schlussfolgerungen gelangten. Man stütze sich auf zahlreiche Quellen, heißt es vage.
An diesem Punkt setzen denn auch die Kritiker an. "Für diejenigen, die sich für das Thema interessieren, gab es im Wesentlichen nichts Neues zu lesen", kommentiert Susan Hennessey, eine frühere Rechtsberaterin der NSA. Am anderen Ende des Debattenspektrums steht der Südstaatensenator Lindsey Graham, außenpolitisch ein Falke und in den Reihen der Republikaner einer der wortgewaltigsten Gegner Trumps. "Kein Zweifel, dass es die Russen waren, die John Podestas E-Mails hackten, nicht irgendein Vierzehnjähriger oder ein Bursche, der dreihundert Pfund wiegt", sagt er.
Trump wiederum bestreitet kategorisch, dass er seine Präsidentschaft der Hackeroffensive verdankt. Zwar räumte er in einer schriftlichen Erklärung ein, dass die Vereinigten Staaten Zielscheibe ständiger Cyberattacken seien, die von Russland, aber auch von "China, anderen Ländern, Gruppen und Leuten von außen" verübt würden. Doch während sich die Republikanische Partei wirksam dagegen geschützt habe, fügte er an, habe "grobe Fahrlässigkeit" bei den Demokraten den Angreifern erst Tür und Tor geöffnet. Es habe nicht der Russen bedurft, schob seine Sprecherin Kellyanne Conway am Sonntag bei CNN süffisant hinterher, um amerikanische Wähler das Vertrauen in Hillary Clinton verlieren zu lassen.Extra

US-Präsident Barack Obama und First Lady Michelle haben ein letztes Mal vor der Amtsübergabe an Donald Trump groß im Weißen Haus gefeiert. Das Ehepaar gab am Freitagabend (Ortszeit) eine private Party, zu der Filmstars, Sänger und andere Stars ins winterliche Washington reisten. Für die Obamas sei es die wohl letzte Möglichkeit für eine solche Veranstaltung in diesem Rahmen, hatte Pressesprecher Josh Earnest im Vorfeld gesagt. Die Gästeliste blieb vertraulich, aber einige Promis teilten trotz der anfänglichen Geheimhaltung ihre Eindrücke von der Party. Informationen der Washington Post zufolge waren unter anderem die Musiker Beyoncé, Jay-Z, Stevie Wonder, die Regisseure George Lucas und J.J. Abrams sowie Schauspieler Bradley Cooper geladen. Auch Robert De Niro, George und Amal Clooney, Oprah Winfrey, Vogue-Chefin Anna Wintour und Meryl Streep wurden beim Einlass zur Party gesichtet, schrieb eine CNN-Reporterin auf Twitter. Zuvor hatte sich Michelle Obama mit großen Emotionen offiziell aus ihrer Rolle im Weißen Haus verabschiedet. "Eure First Lady zu sein war die größte Ehre meines Lebens", sagte die 52-Jährige mit tränenerstickter Stimme. "Ich hoffe, ich habe euch stolz gemacht." Als legendär gelten auch die Feste, die die Obamas im Weißen Haus immer wieder gaben. Der künftige US-Präsident Donald Trump wird in zwei Wochen - am 20. Januar - offiziell vereidigt. dpa

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