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Nur ein kleiner Blick zurück im Zorn - Was beim CDU-Bezirksparteitag geschah

Nur ein kleiner Blick zurück im Zorn - Was beim CDU-Bezirksparteitag geschah

Die regionale CDU hofft, dass es bei der bevorstehenden Bundestagswahl wieder mehr Grund zur Freude gibt.

Als der alte und auch neue CDU-Bezirksvorsitzende seinen Rechenschaftsbericht abgegeben und die Delegierten zum Abschluss noch um "einen Vertrauensbeweis" gebeten hat, hätte man an der Dauer des Beifalls schon ablesen können, dass der Bitte allenfalls halbherzig entsprochen werden würde. Genau so kam es dann auch: Bernhard Henter fuhr auf dem Bezirksparteitag im IAT-Tower mit 80 Prozent Zustimmung sein schlechtes Wahlergebnis als Vorsitzender ein. 87 Prozent Zustimmung waren es vor zwei Jahren, 82 Prozent bei der ersten Wahl vor fünf Jahren.

Nun sind 80 Prozent Zustimmung auf den ersten Blick kein schlechtes Ergebnis. Doch es wurden an diesem Freitagabend ja noch 19 weitere Posten besetzt. Und alle anderen Bewerber schnitten teils deutlich besser ab als der Konzer Landtagsabgeordnete. Das galt auch für Henters drei gleichberechtigte Stellvertreter Elfriede Meurer (91 Prozent, Bernkastel-Wittlich), Moritz Petry (95 Prozent, Eifelkreis Bitburg-Prüm) und Thorsten Wollscheid (95 Prozent, Trier), der für Udo Köhler neu in den geschäftsführenden Vorstand aufgerückt ist.

Es war der erste Bezirksparteitag seit der aus Sicht der CDU ziemlich verkorksten Landtagswahl vor einem Jahr. Doch mit der Rückschau hielt sich an diesem Abend keiner der Redner allzu lange auf. "Wir hatten große Hoffnungen", bilanzierte Bernhard Henter, "aber das Ergebnis war eine große Enttäuschung - auch für mich persönlich." Was der 58-jährige Jurist damit meinte, ohne es konkret zu benennen: Henter verlor sei Direktmandat an SPD-Herausforderer Lothar Rommelfanger. Und er war nicht der einzige im Bezirk: Auch einer von Henters Vorgängern als Bezirksvorsitzender, der Kaschenbacher Landtagsabgeordnete Michael Billen, musste im Kampf um den Wahlkreis einem Sozialdemokraten den Vortritt lassen.

Bitter für die einzelnen CDU-Politiker, bitter aber auch für die in der Region an Boden verlierende Partei. Und schon ist die nächste Wahl im Anmarsch. Die Bundestagswahl am 24. September war das dominierende Thema auf diesem Parteitag - sieht man einmal ab von der Rede des stellvertretenden Unionsfraktionschefs Stephan Harbarth, die sich mit der inneren Sicherheit und den Themen Flüchtlinge und Integration befasste. Danach gab es viel Beifall und etliche Wortmeldungen. Nach dem Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden meldete sich nicht ein einziger Delegierter zu Wort.

Bernhard Henter skizzierte zuvor noch einmal die wesentlichsten Punkte, mit denen sich der Vorstand in der zurückliegenden Zeit befasst habe: Infrastruktur, ÖPNV, Flughafen Hahn, Ärzte- und Klinikversorgung, innere Sicherheit, kommunale Finanzausstattung, Integration. Mit Blick auf die Bundestagswahl sagte Henter: "Es wird auch auf Bundesebene eng und ein schwieriger Wahlkampf, aber wir haben im Bezirk drei gute Kandidaten."
Es sind die beiden Bundestagsabgeordneten Peter Bleser (Cochem) und Patrick Schnieder (Arzfeld) sowie der aus dem Kreis Trier-Saarburg kommenden Andreas Steier, der die Nachfolge des nicht mehr für den Bundestag kandidierenden Trierer CDU-Parlamentariers Bernhard Kaster antritt. Die Aussichten für Steier sind gut bis befriedigend. Zwar dürfte der 44-Jährige im Wahlkreis Trier gegen SPD-Generalsekretärin Katarina Barley kaum das Direktmandat gewinnen. Aber mit Platz zehn auf der Landesliste hat er passable Aussichten auf ein Bundestagsmandat. Dass Steier diesen Listenplatz bekam, ist auch ein Erfolg des CDU-Bezirksvorsitzenden Bernhard Kaster, der sich Begehrlichkeiten aus den anderen beiden Bezirken erwehren musste.

"Lassen Sie uns gemeinsam dafür kämpfen", meinte Henter zum Abschluss seiner Rede, "dass wir auch in Zukunft die Bundesregierung stellen." Ins gleiche Horn blies zuvor auch der scheidende Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster. "Das gute Abschneiden der saarländischen CDU hat uns Auftrieb gegeben", so der 59-Jährige, "aber wir müssen um jede Stimme kämpfen." Kaster warnte vor einer rot-rot-grünen Koalition auf Bundesebene und sagte mit Blick auf die Trierer Karl-Marx-Austellung im nächsten Jahr: "Das Marx-Denkmal kommt, aber es darf keine Bundesministerin Sahra Wagenknecht von der Linken dort rote Nelken ablegen."Info

DER NEUE CDU-BEZIRKSVORSTAND
Dem neuen CDU-Bezirksvorstand gehören neben den Vorsitzenden an: Schatzmeister Alois Manstein (99 Prozent Zustimmung, Vulkaneifel); Beisitzer Christoph Angele (90 Prozent), Charlotte Thul (89%, beide Trier), Michael Angele (87%), Sascha Hermes (94%), Sascha Kohlmann (90%), Alexandra Lehnen (96%), Simone Thiel (93%, alle Trier-Saarburg), Rudolf Becker (91%), Werner Dimmer (94%), Christoph Wirt (97%, alle Eifelkreis Bitburg-Prüm), Albert Berens (92%), Dieter Brill (93%, beide Vulkaneifelkreis), Dennis Junk (95%), Thomas Kröffges (95%) und Karin Oster (97%, alle Kreis Bernkastel-Wittlich).