Nur jeder vierte Schüler im Land nutzt Ganztagsunterricht

Nur jeder vierte Schüler im Land nutzt Ganztagsunterricht

Ganztagsschulen sind in Rheinland-Pfalz offenbar kein Renner: Nur jeder vierte Schüler nutzt das Angebot. Das geht aus einer Studie hervor, die am Donnerstag vorgelegt wurde. Kritik der Verfasser: Der Ausbau stocke, müsse schneller gehen. Die Landesregierung wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Es ist kein gutes Zeugnis, das die Bertelsmann-Stiftung dem Land ausstellt. Der Ausbau der Ganztagsschulen gehe im Schneckentempo voran, heißt es. Im vergangenen Schuljahr hätten rund 90.000 Schüler eine ganztägige Schule. Das war knapp jeder vierte Schüler (23,5 Prozent). In anderen Bundesländern sei der Anteil deutlich höher, etwa in Sachsen, wo laut der Studie 79,1 Prozent der Schüler ganztags unterrichtet werden, oder in Hamburg (61,7 Prozent). In Bayern geht allerdings weniger als jeder achte Schüler auf eine Ganztagsschule.

Im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium wehrt man sich gegen die Vorwürfe. Mit insgesamt 720 Ganztagsschulen bis zum übernächsten Schuljahr sei man auf einem guten Weg, sagte eine Ministeriumssprecherin. Bei den Grundschulen gebe es mittlerweile flächendeckend Ganztagsangebote, und bei den Realschulen plus, den Gymnasien und den Gesamtschulen gebe es genügend wohnortnahe Ganztagsschulen.

In der Region Trier gibt es derzeit 97 Ganztagsschulen. Doch der Anteil der Schüler, die das Angebot tatsächlich nutzen, ist in der Region verhältnismäßig gering. So sind nach Zahlen des Statistischen Landesamts aus dem Jahr 2011 im Eifelkreis Bitburg-Prüm acht bis 13 Prozent der Schüler in einer Ganztagsbetreuung, lediglich in Bitburg und der Verbandsgemeinde Irrel ist der Anteil etwas höher. Im Vulkaneifelkreis genau wie im überwiegenden Teil des Kreises Bernkastel-Wittlich liegt der Anteil bei 13 bis 18 Prozent. Genauso hoch ist der Anteil in Trier-Saarburg mit Ausnahme der Verbandsgemeinden Konz (23 bis 28 Prozent) und Schweich (mehr als 28 Prozent). Selbst in Trier nutzen lediglich 23 Prozent das vorhandene Ganztagsangebot.

Der Koblenzer Bildungsforscher Stefan Sell führt das vergleichsweise geringe Interesse an Ganztagsangeboten auf die eher konservativ geprägte Struktur von Rheinland-Pfalz zurück. Durch einen hohen Anteil an Halbtagsjobs bestehe in vielen Familien kein Bedarf für eine Nachmittagsbetreuung. Hinzu komme, dass vor allem die Mittelschicht Vorbehalte gegenüber Ganztagsschulen habe.