Nur kein Wettbewerb

TRIER. Wie lange fahren noch Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn zwischen Koblenz, Trier und Perl? Der Trierer Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster (CDU) glaubt: nicht mehr lange. Kaster schlägt daher Alarm und fordert den Stopp der europaweiten Ausschreibung für die Moselstrecke.

2006/S 217 176-187664 - das ist das Aktenzeichen eines Dokuments, das derzeit bei Bahnmitarbeitern und einigen Politikern für Unruhe sorgt. Dahinter verbirgt sich die europaweite Ausschreibung des Nahverkehrs auf der Moselstrecke von Perl über Trier nach Koblenz. Der zuständige Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Nord (SPNV) sucht einen Anbieter für den Nahverkehr auf der Obermosel- und der Mosel-Strecke ab Dezember 2009. Umfang des Auftrags: rund 2,4 Millionen Zugkilometer pro Jahr; geschätzter Wert laut Ausschreibung: 19 Millionen Euro. Bislang ist die DB-Regio, eine Tochtergesellschaft der Bahn, für den Nahverkehr zwischen Perl und Trier sowie zwischen Trier und Koblenz zuständig. "Begründete Sorge"

Geht es nach dem Trierer CDU-Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster, soll das auch weiterhin so bleiben: "Ich habe die begründete Sorge, dass der bisherige Verkehrsanbieter DB-Regio auch auf dieser Strecke in Zukunft nicht mehr zum Einsatz kommen könnte", schreibt Kaster dem SPNV-Vorsteher Bertram Fleck. Ganz unrealistisch ist die Befürchtung Kasters nicht. Erst kürzlich erhielt das aus der ehemaligen Moselbahn hervorgegangene Unternehmen Transregio den Zuschlag für die Mittelrheinstrecke. Ab 2008 ist Transregio, dessen Züge unter anderem auch zwischen Bullay und Traben-Trarbach fahren, für den Nahverkehr zwischen Mainz, Koblenz und Köln zuständig. Hinter Transregio stecken die französische Eurailco und die Düsseldorfer Rheinbahn. Komme es auf den beiden Moselstrecken zu dem Wechsel, könnten laut Kaster 400 Arbeitsplätze verloren gehen. Unter anderem stünde dann auch die Zukunft des Bahnwerks in Trier, in dem die Nahverkehrszüge von DB-Regio gewartet werden, endgültig auf der Kippe. Eine Befürchtung, die auch die Bahngewerkschaft Transnet teilt. Derzeit sind laut Gewerkschaft 110 Mitarbeiter in dem Werk beschäftigt. Kaster fordert Fleck, der Landrat im Rhein-Hunsrück-Kreis ist, auf, mit der Bahn zu verhandeln und auf die öffentliche Ausschreibung zu verzichten. Die EU erlaube ausdrücklich auch die Direktvergabe an einen bestimmten Anbieter. Eine Forderung, auf die der SPNV aber nicht eingehen wird: "Fast alle unsere Mitglieder sind dafür, an dem bisherigen Verfahren festzuhalten", sagt Verbands-Geschäftsführer Thomas Geyer. Man richte sich damit nach den gesetzlichen Vorgaben und mache sich nicht angreifbar: "Daher wundert es mich schon, dass sich ein Bundestagsabgeordneter für eine Direktvergabe an einen bestimmten Anbieter stark macht", ärgert sich Geyer. Zumal noch gar nicht sicher sei, dass die Bahn nicht mehr den Zuschlag erhalte: "Wenn die ein gutes Angebot macht, bekommt sie auch den Zuschlag. Das ist eben Wettbewerb." Es gehe bei der Ausschreibung auch nicht darum, den preisgünstigsten Anbieter zu finden, sondern ein Unternehmen, das die bestmögliche Leistung im Rahmen des Auftragsvolumens anbieten könne. Die Zahl der dafür in Frage kommenden Unternehmen sei überschaubar, sagt Geyer. Selbst wenn die beiden Moselstrecken ab 2009 von einem Konkurrenten übernommen würden, hieße das nicht, dass das Bahnwerk in Trier schließen müsse: "Irgendwo müssen doch die Züge gewartet werden", sagt Geyer und nennt das Beispiel Limburg, wo der private Anbieter Vectus einen entsprechenden Vertrag mit der Bahn geschlossen habe. Und nicht immer verliere die Bahn durch Ausschreibungen Aufträge. Gerade erst habe sie den Zuschlag für den Nahverkehr in der Pfalz erhalten.