Obama feiert einen "Meilenstein"

Durch den Erfolg im Bundesstaat Oregon hat Barack Obama, auch wenn er in Kentucky gegen Hillary Clinton verlor, eine nicht mehr einholbare Mehrheit der Delegierten sicher.

Des Moines/Washington. Eine donnernde Siegesrede ist es nicht, eher der Versuch eines vorsichtigen, noch zurückhaltenden Triumphes. "Wir befinden uns in Reichweite der Nominierung", sagt Barack Obama am Dienstagabend in Iowa. Hier feierte der Demokrat beim Vorwahlauftakt im Januar seinen ersten Sieg, nun gilt es einen "Meilenstein" zu zelebrieren. Durch den klaren Erfolg im Bundesstaat Oregon hat Obama, auch wenn er in Kentucky deutlich gegen Hillary Clinton verlor, eine nicht mehr einholbare Mehrheit bei der Zahl jener Delegierten sicher, die es bei den Vorwahlen zu verteilen gibt. "Hier haben wir die ersten Schritte getan, hier schließt sich der Kreis", formuliert der 46-Jährige. Doch zwei Stunden zuvor hatte man bereits im Lager von Hillary Clinton kühl konstatiert: "Falsche Siegeserklärungen sind unerwünscht." Die Kandidatin erneuert ihren Schwur, "bis zur letzten Stimme" zu kämpfen - also bis zum 3. Juni, dem Ende der Vorwahlen.Die US-Demokraten rücken damit der sich lange abzeichnenden Zerreißprobe näher. Denn Obama hat, wie eine Schätzung des Senders CNN ergibt, nun mindestens 1627 von 3253 gewählten und damit stimmgebundenen Delegierten. Die sogenannten "Superdelegierten", also Parteifunktionäre und Mandatsträger, sind darin allerdings nicht enthalten. Hillary Clinton scheint derzeit zu hoffen, von diesen doch noch in letzter Minute eine Mehrheit auf ihre Seite ziehen zu können. Alles hängt von den Super-Delegierten ab

Denn die Devise, die ihre Manager und Unterstützer bei TV-Diskussionsrunden immer wieder vortragen, lautet: Obama kann in ländlich und von hohem weißen Arbeiteranteil geprägten Staaten nicht überzeugend gewinnen - was für die Wahlen am 4. November, im direkten Duell mit John McCain, Alarmstufe "rot" bedeute. Gerät also die Mehrheit der "Super-Delegierten", die sich Umfragen zufolge bereits auf die Seite Obamas geschlagen hat, doch noch einmal ins Wanken? Da es nach Aussage des Clinton-Managers Terry McAuliffe zum Ende der Vorwahlen eine Kandidatenentscheidung geben soll - eine Kampfabstimmung auf dem Parteitag in Denver will man in beiden Lagern vermeiden -, bleiben der früheren First Lady nur noch zwei Wochen für einen aussichtslos erscheinenden Comeback-Versuch. Begleitet werden die Durchhalte-Parolen Clintons, die jetzt in einer E-Mail an ihre Unterstützer erneut zu Spenden aufrief, von wachsenden Spekulationen über ihre Motivation und Absichten. "Das einzig Berechenbare bei den Clintons ist, dass sie niemals aufgeben," kommentiert Jonathan Alter, Politik-Experte des Wochenmagazins "Newsweek". Doch die jetzt nach außen gedrungene Meldung, dass die Helfer von Clinton und Obama bereits in erste "Geheimverhandlungen" über eine Kooperatioon der Kandidaten für die Auseinandersetzung gegen John McCain eingetreten sind, spricht für einen offiziellen Schlussstrich unter die Nominierungsfrage der Demokraten in der ersten Juniwoche. Die wohl spannendste Frage dabei ist: Wird der mutmaßliche Spitzenkandidat Obama jener Frau, die ihn seit Januar so erbittert bekämpft hat, das Vizepräsidentschafts-"Ticket" anbieten? Obama selbst war jedenfalls am Dienstagabend in Iowa voll des Lobes für seine Gegnerin: "Sie hat niemals aufgegeben, für das amerikanische Volk zu kämpfen," sagt er. Doch derzeit scheint Hillary Clinton vor allem für sich selbst zu kämpfen. "Ihre Chancen für einen Sieg," so CNN-Analystin Gloria Borger, "sind so groß wie die Wahrscheinlichkeit, dass ein gewaltiger Meteor die Erde trifft."