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…oder ich sag es meiner Mama

…oder ich sag es meiner Mama

TRIER. Während das Misstrauen in das Schulsystem seitens der Eltern immer stärker wächst, geht den Lehrern der Nachwuchs aus. Die Autorität der Lehrer werde nicht mehr anerkannt, kritisiert der Landesverband Bildung und Erziehung.

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum: Der Deutschen liebsten Kind ist nicht ihr Auto - nein, es sind die tatsächlich die Kinder. Zumindest bei denjenigen, die welche haben. Deswegen sind Eltern auch oft misstrauisch, wenn sie ihre Kinder anderen Menschen anvertrauen müssen, vor allem dann, wenn die Betreuer Lehrer sind. Wo Unklarheit herrscht oder Ungerechtigkeit droht, wird gefragt: Darf der Lehrer unserem Kind übers Wochenende Hausaufgaben aufgeben? Was mache ich, wenn der Lehrer die Noten willkürlich verteilt? Und wie wird eigentlich geregelt, wann der Klassenraum zu lüften ist? Fragen wie diese und Antworten dazu treffen im Internet im Forum des Landeselternbeirates aufeinander ( www.leb.bildung-rp.de). Die Themen sind vielschichtig, mitunter skurril und zeigen vor allem eines, nämlich dass die Lehrer im Visier der Eltern stehen. Und das umso mehr, seit ihnen das Internet eine Plattform zum Gedankenaustausch bietet. "Die oft fehlende Akzeptanz seitens der Eltern macht uns zu schaffen", sagt Johannes Müller, rheinland-pfälzischer Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). "Jede Entscheidung, die ich treffe, muss sofort gerechtfertigt werden", erklärt er, "unsere Autorität wird gar nicht mehr anerkannt." Und das, obwohl sich sein Verband, ähnlich wie der Elternbeirat, dafür einsetzt, dass sich die Unterrichtssituation an Schulen verbessert. Doch Müller ist, wie er selbst sagt, jemand, dem sein Beruf immer Spaß gemacht habe und engagierte Lehrer wie er, die "mit Herz bei der Sache sind", gebe es viele. Allerdings zu wenig junge. An den Grund- und Hauptschulen mache sich bereits jetzt ein Nachwuchsmangel bemerkbar, sagt der VEB-Vorsitzende, "und nach unserer Ansicht wird sich das Ganze in den kommenden Jahren noch verschlimmern, wenn die große Pensionierungswelle kommt". Von einer sehr guten Unterrichtsversorgung für das Schuljahr 2005/2006 ist hingegen im Mainzer Bildungsministerium die Rede. Ein landesweiter Versorgungsgrad von 98,4 Prozent, heißt es dort. Fehlen also nur 1,6 Prozent, beziehungsweise rund 550 Vollzeit-Lehrkräfte, wie Tilman Boehlkau von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft die Zahlen interpretiert und das Wissenschafts- und Bildungsministerium dazu auffordert, "intensiver für den Beruf der Lehrkraft zu werben und die Studienberatungen der Universitäten damit zu beauftragen, gezielter zu beraten". Was junge Menschen und Studenten oft davon abhält, die Karriere eines Grund- und Hauptschullehrers einzuschlagen, sind nach Ansicht von Johannes Müller die geringen Aufstiegschancen und das immer weiter bröckelnde Image des Berufs. "Alles, was sie machen, wird hinterfragt", sagt er. Das ist für ihn in seiner Eigenschaft als Lehrer vielleicht ärgerlich, in seiner Funktion als VEB-Landesvorsitzender kann das auch von Vorteil sein. Denn dadurch, dass Eltern Vorgänge in der Schule immer öfter infrage stellen, sind auch die dahinter stehenden und oft entscheidenden Behörden, sei es das Ministerium in Mainz oder die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier, in der Kritik. "Die Eltern sind heute so wachsam, dass schon bei der kleinsten Widrigkeit ein Brief ans Ministerium geschickt wird", sagt ADD-Mitarbeiter Bernhard Herbrand. Regionalelternsprecher Michael Geisbüsch kann das bestätigen. "Die Eltern sind sensibler geworden", sagt er, was auch begrüßenswert sei, in einigen Fällen aber zu weit gehe. "Es ist nun mal so, dass das Leben schneller voranschreitet, als eine Behörde reagieren kann."