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Öko-Experte widerspricht Atom-Kritikern

Öko-Experte widerspricht Atom-Kritikern

Ausgerechnet das aus der Anti-Atomkraft-Bewegung hervorgegangene Öko-Institut gibt Entwarnung in Sachen Kernkraftwerk Cattenom. Der geplante Einsatz der neuen Brennstoffe sei nicht so riskant, wie Atomgegner befürchten, sagt ein Nuklearexperte der privaten Organisation.

Cattenom/Darmstadt. Atomgegner schlagen seit Wochen Alarm: Der geplante Einsatz neuartiger Brennstoffe im Kernkraftwerk Cattenom an der lothringischen Mosel führe zu einer höheren Umweltbelastung. Noch ist unklar, wann die sogenannte Brennstoff-Führung mit hoher Abbrandrate HTC (Haut tax combustion) eingesetzt wird. Im Mainzer Umweltministerium rechnet man frühestens im kommenden Jahr damit.

Wartung auch während laufenden Betriebs möglich



Die französische Atomaufsicht hatte im Dezember vergangenen Jahres genehmigt, dass alle Atomreaktoren mit 1300 Megawatt Leistung - dazu zählt auch das Kraftwerk in Cattenom mit seinen vier Blöcken - ab 2010 die HTC-Brennelemente benutzen dürfen (der TV berichtete). Der neuartige Kernbrennstoff enthält mehr Uran. Statt mit drei bis vier Prozent Uran 235 ist er mit 4,5 Prozent des hochradioaktiven Stoffes angereichert. Zudem kann der Brennstoff statt 18 Monate 21 Monate im Reaktor bleiben.

Dadurch steigt nach Ansicht von Atomkritikern das Risiko von Störfällen, weil die Wartungsintervalle entsprechend verlängert würden.

Nun entkräftet ausgerechnet das 1977 aus der Anti-Atomkraft-Bewegung hervorgegangenen Öko-Institut die Kritik an dem Einsatz der neuen Brennelemente. Der Atomexperte Gerhard Schmidt aus dem Darmstädter Büro des gemeinnützigen und privaten Umweltforschungsinstituts sieht die zusätzliche Gefahr durch die HTC-Brennstoffe nicht. Nur bei einem gravierenden Störfall, bei dem Radioaktivität freigesetzt werde, sei die Gefahr größer, dass mehr "langlebige radioaktive Stoffe" austreten könnten als mit der bisherigen Brennelemente-Technik. Als Grund dafür nennt Schmidt den höheren Urangehalt der neuartigen Brennelemente.

Ansonsten hält er die damit verbundenen Risiken im normalen Betrieb aber für "beherrschbar". Das zeige sich auch an deutschen Kernkraftwerken, in denen bereits die neuartigen Brennstoffe verwendet werden. Selbst wenn durch den Einsatz der neuen Brennstoffe die Wartungszeiträume in den französischen Anlagen verlängert würden, steige damit nicht automatisch das Risiko für Störfälle, sagt Schmidt.

Alte Anlagen nicht unbedingt störanfälliger



Man könne Wartungen auch unabhängig vom Wechsel der Brennelemente, also auch während des laufenden Betriebes vornehmen, sagt Schmidt. Außerdem sei ein mehr als 20 Jahre altes Atomkraftwerk wie Cattenom - es ging 1986 ans Netz - nicht automatisch störanfälliger als neuere Anlagen und müsse daher auch nicht häufiger gewartet werden. Atomgegner sehen hingegen in alten Kernkraftwerken eine größere Gefahr als bei Kraftwerken der neueren Generation.

Schmidt geht davon aus, dass durch den Einsatz der neuen Brennelemente der Anteil des hochradioaktiven Stoffes Tritium in der Mosel den im Jahr 2004 festgelegten Grenzwert nicht überschreiten wird. Die Grünen haben nach Bekanntwerden der Genehmigung für die neuen Brennstoffe davor gewarnt, dass der Tritium-Gehalt in dem Fluss zunehmen könnte. Bereits 2003 hatte der Betreiber des Kraftwerks Cattenom höhere Grenzwerte unter anderem auch für Tritium beantragt. Diese wurden nach Protesten in Rheinland-Pfalz und dem Saarland abgelehnt. Danach darf die Ableitung von Tritium nicht über 160 TBQ Tritium pro Jahr liegen. Das sei mit den Tritium-Ableitungen deutscher Kernkraftwerke vergleichbar.

Das Öko-Institut berät Behörden und Unternehmen in Umweltfragen. Seine Experten berechnen zum Beispiel für die Bundesregierung, wie viel Treibhausgas Kohlendioxid in Deutschland ausgestoßen wird. Auch Autohersteller wie DaimlerChrysler oder Nissan gehören zu den Kunden des Vereins, der rund 130 Mitarbeiter in Freiburg, Darmstadt und Berlin beschäftigt.