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Operationspalast im digitalen Zeitalter

Operationspalast im digitalen Zeitalter

Im Brüderkrankenhaus Trier wird heute einer der modernsten Zentral-OPs Deutschlands eingeweiht. Wie Patienten davon profitieren.

Trier Karl-Heinz Stolz ist im Brü derkrankenhaus Trier (BKT) eine Institution. Als er vor 47 Jahren in der Klinik erste berufliche Schritte machte, war der zentrale Operationsbereich gerade einmal seit zwei Jahren in Betrieb. Der neue OP, der heute von der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler eingeweiht wird, hat nicht mehr viel mit dem der 70er Jahre gemeinsam. "Die Operationsverfahren sind heute viel schonender für die Patienten", sagt Stolz. "Die Schmerzbehandlung hat ebenso eine enorme Entwicklung erlebt wie die Nachsorge im Intensivbereich und viele andere Dinge."
Als stellvertretender Projektleiter ist Stolz für den OP-Neubau mit- verantwortlich und hat vor allem dafür gesorgt, dass alle Mitarbeiter, die ab August in einem der modernsten Zentral-OPs Deutschlands arbeiten werden, von Beginn an einbezogen wurden. Digitalisierung ist auch hier ein großes Thema. Das wird bei der exklusiven Vorbesichtigung deutlich, die dem Trierischen Volksfreund gewährt wurde. Monitore in jedem der zehn Operationssäle, einige fest in die mit Glas verkleideten Wände montiert, andere an leicht verstellbaren Teles koparmen. Professor Dr. Winfried Willinek, seit kurzem Ärztlicher Direktor der Klinik, ist begeistert: "Wir sind nun im ganzen Haus digital unterwegs. Das ist ein wahnsinniger Vorteil. Auch während einer Operation erreichen uns alle Bilder digital. Und die Ärzte sind in der Lage, zum Beispiel mit Kollegen der Pathologie oder Radiologie Konferenzen zu halten." Das für die Operateure ideale Umfeld komme natürlich auch den Patienten zugute, "weil wir Qualität und Effizienz steigern." Willinek ist überzeugt, dass Narkosezeiten reduziert werden können. "Jede einzelne Minute ist zum Wohle der Patienten."
Auch Dr. Michael Bieber sind der Stolz und die Vorfreude auf die Arbeit im neuen OP anzumerken. "Mit unserem verbesserten Wärmemanagement für die Patienten verringern wir Komplikationen", ist der Leiter des OP-Dienstleistungszentrums überzeugt, in dem tatsächlich nichts dem Zufall überlassen bleiben darf. "Und die Belüftungsanlage ist vom Feinsten."
Solche Lobesworte hört Projektleiter Marcus Schu gern. Er ist besonders für die Technik verantwortlich. "Wir sind auf dem neuesten Stand und für die nächsten Jahrzehnte gerüstet", sagt Schu.
Wie viele Kilometer Leitungen, Rohre, Zu- und Abluftschächte sich in den Wänden und Decken verbergen, um das zu gewährleisten, ist nur für jene zu erahnen, die einen Blick in das riesige Technikgeschoss in dem Neubau werfen dürfen, der den alten OP-Trakt umschließt. Das geordnete Chaos dort ist für Laien nicht durchschaubar.
Im März 2011 war für das ohne Innenausbau zwölf Millionen Euro teure Gebäude der Grundstein gelegt worden. In einem ehemaligen Innenhof der Klinik reicht der Bau acht Meter in die Tiefe und 23 Meter empor. Insgesamt kostet das Projekt 53,5 Millionen Euro, von denen das Land 32 Millionen Euro zuschießt. Das beinhaltet die Fördersummen für die komplett neu gebaute Krankenhausküche, die bereits in Betrieb ist, den OP sowie den Ausbau des Kliniklabors im Obergeschoss. Das soll bis Mitte 2018 fertig sein.
21,5 Millionen Euro muss das Krankenhaus also selbst investieren. Das entspricht fast genau der Summe, die der Neubau des OP und der folgende Umbau des bisherigen Operationstrakts kosten werden. Dort entsteht bis Mitte 2019 unter anderem ein großer neuer Aufwachbereich für die Patienten. "Wir mussten wegen der wachsenden Leistungszahlen im operativen Bereich erweitern", sagt Christian Weiskopf, kaufmännischer Direktor der Klinik. "Nun können wir dem Anspruch als Schwerpunktkrankenhaus regional und überregional weiterhin gerecht werden."
Noch herrscht in dem nagelneuen Zentral-OP des Brüderkrankenhauses Ruhe. Ab August werden dort täglich 100 Menschen dafür sorgen, dass möglichst viele der 10 000 Operationen jährlich erfolgreich und ohne Komplikationen verlaufen. "Die Genauigkeit der Operationstechniken ist noch nicht am Ende", sagt Professor Winfried Willinek. "Vielleicht operieren wir ja in nicht zu ferner Zeit mit digitaler Brille. Unser neuer OP wird dafür gerüstet sein."
Sie wollen den neuen Zentral-OP auch ansehen? Kein Problem. Das Video finden Sie unter www.volksfreund.de/extraExtra: KRANKENHAUS DER SCHWERPUNKTVERSORGUNG

Operationspalast im digitalen Zeitalter
Foto: (g_pol3 )
Operationspalast im digitalen Zeitalter
Foto: (g_pol3 )
 Alle Operationssäle sind mit Glaswänden versehen. In den OP-Sälen und im Technikgeschoss bieten sich beeindruckende Bilder.
Alle Operationssäle sind mit Glaswänden versehen. In den OP-Sälen und im Technikgeschoss bieten sich beeindruckende Bilder. Foto: (g_pol3 )


Das Brüderkrankenhaus Trier (BKT) ist Krankenhaus der Schwerpunktversorgung für die Gesamtregion Trier und eines von fünf notfallmedizinischen Zentren in Rheinland-Pfalz, um Schwerstkranke und Schwerstverletzte ohne zeitliche Verzögerung lebensrettend behandeln zu können. Das BKT ist fest eingebunden in das rheinland-pfälzische Notfall- und Intensivtransportsystem. Hier werden aber auch - in Zusammenarbeit mit den regionalen Krankenhäusern - Patienten mit akutem Herzversagen oder auch bei akutem Nierenversagen behandelt. Das Brüderkrankenhaus verfügt aktuell über 632 Betten. In 15 medizinischen Fachabteilungen finden sich hoch qualifizierte Fachleute aus Medizin und Pflege, die jährlich etwa 30 500 Patienten stationär und 56 000 Patienten ambulant versorgen. Die zunehmenden Behandlungszahlen in dem akademischen Lehrkrankenhaus haben eine Erweiterung der Operationskapazitäten und der Nebenräume notwendig gemacht. 2019 soll alles fertig sein.