Ort der Erinnerung

HINZERT. Es ist einer der Orte im Land, in dem der braune Terror seine blutigsten Spuren hinterlassen hat. Am ehemaligen SS-Sonderlager/KZ Hinzert gedachte der rheinland-pfälzische Landtag gestern aller Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft.

Für mindestens 13 000 Häftlinge war Hinzert die Stätte unsäglicher Leiden, die ihnen SS-Soldaten zufügten. Es war für Menschen aus 18 europäischen Ländern ein Ort des Terrors, der Qualen und in nachweislich 321 Fällen des grausamen Todes. Nicht nur an die Männer und Frauen, die in Hinzert eingesperrt, gefoltert und ermordet wurden, sondern an alle Opfer des Nationalsozialismus erinnerte der Landtag am Freitag in der zentralen Gedenkstunde im Dokumentationszentrum, das im Dezember eröffnet wurde. Auch Philipp Golowatschenko hat den Weg ins neue Hinzert-Haus gefunden. Für den Zeitzeugen aus der Ukraine ist es eine Rückkehr, war er doch im letzten Kriegsjahr im Sonderlager im Hochwald inhaftiert. "Es ist wichtig, dass es jetzt hier diese Ausstellung gibt, und junge Leute sehen können, wie wir damals gelebt haben, und was wir ertragen mussten", sagt Golowatschenko. Dass die Verbrechen in Hinzert nicht in Vergessenheit geraten, ist aber nur eine Funktion, die "diese beeindruckende Gedenkstätte" erfüllt, betont Landtagspräsident Christoph Grimm. Hinzert stehe zugleich für den Gedanken der Versöhnung. "Diese Stätte mahnt uns, aktiv zu bleiben im Kampf gegen Ausgrenzung, Intoleranz, Antisemitismus und Rassenhass", sagt Grimm. Es sei "Vermächtnis und dauerhafte Aufgabe aller Deutschen, die Vergangenheit wach zu halten, und für Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit einzutreten", betont auch Ministerpräsident Kurt Beck, bevor der Ehrengast im Landtag das Wort ergreift. "Erinnerung lebt", sagt Lucien Weiler, dessen Landsleute in Hinzert in besonderem Maße gelitten haben. Erinnerung bedeute aber nicht, "dass das Entsetzen hochgehalten werden soll", betont der Präsident der Abgeordnetenkammer von Luxemburg. Sondern wer sich an die Verbrechen der Vergangenheit erinnere, wolle daraus die richtigen Lehren für die Zukunft ziehen.