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Pannen-Reaktor Tihange: Region macht Druck auf EU

Pannen-Reaktor Tihange: Region macht Druck auf EU

85 Vertreter von deutschen, luxemburgischen und niederländischen Kommunen waren Dienstag in Brüssel, um dort gegen das belgische Kernkraftwerk Tihange zu protestieren. Der Dauner Landrat Heinz-Peter Thiel führte die Delegation aus der Region Trier.

Martin Schulz weiß wie nahe der belgische Atomreaktor Tihange von Deutschland entfernt ist. Der Präsident des EU-Parlaments stammt aus dem nordrhein-westfälischen Eschweiler. Von dort sind es rund 60 Kilometer bis zur belgischen Grenze, knapp 100 Kilometer bis nach Tihange. Das dortige Kernkraftwerk bereitet den im weiteren Umkreis lebenden Menschen außerhalb Belgiens Sorge. Viele halten den Reaktor für unsicher.

Immer wieder kommt es zu Pannen in dem Kraftwerk, seit zwei Tagen steht es wegen eines defekten Turbinenmotors still. 2012 sind Tausende Haarrisse im Reaktorbehälter festgestellt worden. Seit Monaten machen deutsche Kommunen aus dem Großraum Aachen und der Region Trier Druck auf Belgien, damit das Kraftwerk endgültig abgeschaltet wird. Zusammen mit dem grenzübergreifenden Städtenetzwerk Achen haben sich die Kreise Vulkaneifel und Bitburg-Prüm einer Klage gegen Tihange angeschlossen.

Am Dienstag waren 85 Vertreter von Kommunen aus Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Luxemburg und den Niederlanden in Brüssel, um Martin Schulz den Protest der Bürger gegen Tihange zu überbringe. Man habe im Namen von acht Millionen Menschen gesprochen, sagt der Dauner Landrat Heinz-Peter Thiel nach dem Treffen. Thiel führte die Delegation der Vertreter aus der Region Trier an. "Das war ein starkes Signal." Schulz sei sehr aufgeschlossen gewesen und man habe ihm deutlich machen können, dass Tihange ein Risiko für alle in der Umgebung lebenden Menschen sei. Der Parlamentspräsident habe zugesagt, das 18-seitige Protestschreiben, das ihm übergeben worden sei, an den zuständigen EU-Kommissar zu leiten. Darin fordern die Kommunalvertreter die EU-Kommission, die Sicherheit des Atomkraftwerks zu überprüfen.

Auch der Eifeler CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen war mit in Brüssel. Genau wie Thiel verlangt er von der Landesregierung, dass sie sich der Klage gegen Tihange anschließt. Nach Auskunft des Umweltministeriums werde das derzeit geprüft. Man habe die Klageschrift angefordert, sagt eine Sprecherin. Auf der heute beginnenden Umweltministerkonferenz fordert Rheinland-Pfalz die Bundesregierung auf, für die "schnellstmögliche Stilllegung" grenznaher Atomkraftwerke einzutreten.