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Pannenserie in Cattenom hält an

Pannenserie in Cattenom hält an

Acht bestätigte Zwischenfälle hat es im Kernkraftwerk Cattenom in diesem Jahr bereits gegeben. Erst gestern ist eine schwere Panne von September vom Kraftwerksbetreiber bestätigt worden. Am Dienstag musste ein Reaktorblock abgeschaltet werden, wegen Problemen eines Dieselmotors.

Cattenom. Wenn die Grünen-Landtagsabgeordnete Steffi Nabinger von ihrem Wohnort Merzkirchen (Trier-Saarburg) über den Saargau Richtung Frankreich blickt, hat sie immer die vier Kühltürme des nahen Atomkraftwerkes Cattenom in Lothringen im Blick. Und die beobachtet die Politikerin und Atomgegnerin aufmerksam. Wenn nämlich mal aus einem der vier Türme kein weißer Wasserdampf steigt, wird sie misstrauisch. Dann ist einer der vier Reaktoren abgeschaltet. Das merkt sie zumeist, bevor die Kraftwerksbetreiber Stunden danach die Abschaltung bestätigen.
Am Dienstag war es wieder so weit. Nur aus einem der Türme kam Dampf. Die Reaktorblöcke 1 und 3 sind seit Tagen wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet. Wenn dann noch ein dritter Block offenkundig keinen Strom produziert, dann muss es sich wohl wieder um eine Panne handeln. Und in der Tat bestätigte der Kraftwerksbetreiber, der französische Energiekonzern EDF, die Befürchtung der Grünen-Politikerin: Am Dienstag musste der vierte Reaktorblock abgeschaltet werden, weil es angeblich Probleme mit dem Dieselmotor eines Notstromgenerators gegeben hat. Und wie immer hat der Betreiber bekanntgegeben, dass keine Gefahr für Mensch und Umwelt bestanden hat. So wie bei allen acht offiziell bestätigten Pannen allein in diesem Jahr. Warum es zu Problemen mit dem Dieselmotor gekommen ist, stehe noch nicht fest.
Fest steht allerdings, dass es in diesem Jahr zu mehreren schweren Zwischenfällen gekommen ist. Im September musste ein Reaktor abgeschaltet werden, weil ein Haupttrafo ausgefallen war. Im Juli sind 58 000 Liter Salzsäure in die Mosel geflossen, weil eine Ableitung fehlte. Einen Monat zuvor hat ein Trafo im nichtnuklearen Teil der Anlage gebrannt, der Rauch war kilometerweit zu sehen.
Immerhin vier der Zwischenfälle wurden auf der achtstufigen Störfallskala (0 bis 8) mit eins eingestuft und gelten damit als Anomalie. So musste EDF gestern Nachmittag einen Zwischenfall, der bislang nicht bekanntgegeben wurde, nachträglich als Anomalie einstufen. Laut Betreiber sind beim Hochfahren des wegen Wartungsarbeiten abgeschalteten Reaktorblocks Ende September zwei defekte Ventile im Primärkreislauf festgestellt worden. In den Leitungen fließt der chemische Stoff Bor. Man habe sich entschlossen, den Vorfall in Stufe 1 der Störfallskala einzustufen, teilt EDF mit. Eine Gefahr für Mensch und Umwelt habe nicht bestanden.