Papst stoppt Titelhandel

Die neue Bescheidenheit im Vatikan macht offenbar auch vor Prälaten und Monsignori nicht halt: Papst Franziskus hat die Verleihung von Ehrentiteln auf Eis gelegt. Inwiefern das Bistum Trier von dem Vergabestopp betroffen ist, wollen die Verantwortlichen nicht verraten.

Trier. Im November 2005 war für Stephan Ackermann ein großer Tag. Da verlieh der damalige Papst Benedikt XVI. dem damaligen Regens des Studienhauses St. Lambert den Titel "Ehrenkaplan seiner Heiligkeit". Seitdem trägt der heutige Trierer Bischof den schmucken Ehrentitel Monsignore. Stephan Ackermann ist nicht der einzige ausgezeichnete katholische Geistliche: In Deutschland dürfen mehrere Hundert Priester den Ehrentitel führen; im Bistum Trier sind es 17, darunter etwa der ehemalige Fernsehpfarrer Stephan Wahl.Eine Stufe höher angesiedelt als der Päpstliche Ehrenkaplan ist der sogenannte Ehrenprälat seiner Heiligkeit. Katholische Geistliche, die diesen Titel verliehen bekommen, müssten sich besondere Verdienste erworben haben oder ein Amt von herausragender Verantwortung und Bedeutung ausüben, heißt es etwa in der sogenannten Ehrungsordnung des Bistums Rottenburg-Stuttgart. Weltweit gibt es etwa 6000 Geistliche, die den schmucken Titel tragen dürfen, im Bistum Trier sind es 22, darunter der ehemalige Generalvikar Georg Holkenbrink oder Dompropst Werner Rössel.

Wenn die jüngsten Meldungen katholischer Medien aus Rom stimmen, können sich die Herren Rössel, Holkenbrink & Co. glücklich schätzen. Denn in Zukunft dürfte die Zahl der Ehrenkapläne, Ehrenprälaten und Apostolischen Protonotare drastisch sinken. Der neue Papst Franziskus hat nach Informationen aus Kurienkreisen sämtliche anhängigen Verfahren vorerst auf Eis gelegt. Angeblich will Franziskus zunächst Vorschläge für eine Kurienreform abwarten, die im nächsten Monat von einer dafür eingesetzten Kardinalskommission vorgelegt werden sollen.

Auch in deutschen Bistümern wurden angeblich bereits für die Verleihung der Ehrentitel angesetzte Zeremonien auf unbestimmte Zeit verschoben. Ob das Bistum Trier darunter ist, war am Mittwoch nicht in Erfahrung zu bringen. "Zu Personalangelegenheiten machen wir keine Angaben", sagte Bischofssprecherin Judith Rupp, die auch nicht sagen durfte, ob und wie viele Trierer Verfahren derzeit in Rom anhängig sind.

Der Verweis auf die Verschwiegenheit in Personalangelegenheiten überrascht. Denn wann immer ein Trierer Priester in der Vergangenheit einen Ehrentitel verliehen bekam, wurde dies von der Bischöflichen Pressestelle auch öffentlich bekanntgemacht. Das ist unter dem amtierenden Bischof Stephan Ackermann so; und das war auch unter Ackermanns Vorgänger Reinhard Marx der Fall. Beide hochrangigen Kirchenmänner haben übrigens eine weitere Gemeinsamkeit: Unter Marx wurden in Trier acht Priester zu Päpstlichen Ehrenkaplänen ernannt, unter Ackermann ebenfalls.

Das ist schon allein deshalb bemerkenswert, weil der Vorgänger von Reinhard Marx, Hermann Josef Spital, während seiner 20 Jahre als Bischof von Trier gerade einmal einen Priester zum Ehrenkaplan befördert hat. Dafür wurden unter Spital neun Ehrenprälaten ernannt (Marx: 8, Ackermann: 4). Unter Spitals Vorgänger Bernhard Stein gab es im Bistum Trier sogar die restriktive Regelung, dass nur in absoluten Ausnahmefällen Ehrentitel in Rom beantragt werden dürfen. Erst Bischof Marx habe die Tradition wiederbelebt, sagt Bischofssprecherin Judith Rupp.

Für das jeweilige Bistum ist die Verleihung päpstlicher Ehrentitel mit Kosten verbunden. Bischofssprecherin Judith Rupp spricht von einer "geringen Bearbeitungsgebühr" und will sich auch auf Nachfrage nicht zur Höhe äußern. Insider beziffern die Kosten auf 1200 bis 1500 Euro. Das allerdings würde eher einer etwas höheren Bearbeitungsgebühr entsprechen.Extra

Einmal Monsignore, immer Monsignore? Mitnichten. Wer sich als ausgezeichneter Priester unbotmäßig verhält, kann den Ehrentitel auch wieder aberkannt bekommen. So wie Ende vergangenen Jahres der ehemalige Wiener Generalvikar Helmut Schüller. Ihm wurde der Ehrentitel Monsignore von Rom entzogen - ohne Begründung. Die konnte sich Schüller freilich denken: In einem "Aufruf zum Ungehorsam" hatte er sich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt ausgesprochen. sey

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