Parlamentarier attackieren Ring-Betreiber

Parlamentarier attackieren Ring-Betreiber

Die Distanz zwischen Rot-Grün in Mainz und den privaten Betreibern des Nürburgrings wächst. Pächter Kai Richter wird schon lange beargwöhnt, am Donnerstag ist im Landtag erstmals auch Jörg Lindner attackiert worden.

Mainz. Kein anderes Thema beherrscht seit Jahren die Debatten im Parlament so wie die Ereignisse an der Eifel-Rennstrecke. Salopp formuliert haben viele Abgeordnete, vor allem der SPD, offenbar die Nase voll. Nur so ist es zu verstehen, dass Clemens Hoch Klartext redet. "So wie am Nürburgring geht man nicht mit Menschen und Geschäftspartnern um. Das ist eine Katastrophe", rügt er die Betreiber.
Bislang hat die Landesregierung Pächter Kai Richter kritisch beäugt und seinen Partner Jörg Lindner verteidigt. Mit dieser Zurückhaltung ist es vorbei, seit am Ring die Pachtzahlungen ausbleiben und Entlassungen von 92 Mitarbeitern geplant sind. "Der Zickzack-Kurs und die Hängepartie nutzen keinem etwas. Das Verdikt des Vertragsbruchs steht im Raum", kritisiert Hoch. Von Richter habe man nichts anderes erwartet, aber Lindner habe "bislang einen guten Ruf gehabt".
Der Sozialdemokrat kritisiert auch die eigene Regierung. Zahlungen aus dem Landeshaushalt an die weitgehend landeseigene Nürburgring GmbH seien zwar nicht verheimlicht worden, aber: "Es wäre vielleicht gut gewesen, noch mal zu informieren."
Laut Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) fließt 2012 und 2013 weiteres Landesgeld in die Eifel. Es sind Gesellschafterdarlehen und Zuschüsse von 19,4 Millionen Euro geplant.
Dass am Ring insgesamt schon rund eine halbe Milliarde Euro ausgegeben wurde, kommentiert der Grüne Nils Wiechmann so: "Solche Zahlen können uns ärgern." Priorität habe daher, die Zuschüsse aus dem Haushalt dauerhaft zu senken. Dazu werde alles kritisch auf Rentabilität gepüft. Wiechmann betont: "Wir können nicht über gültige Verträge hinwegsehen." Sollten die privaten Betreiber die Verträge nicht erfüllen, müsse über eine Vertragsauflösung, eine Neuausschreibung und einen Kassensturz nachgedacht werden.
Für die oppositionelle CDU steht laut Fraktionsvize Alexander Licht fest: "Ein Eingeständnis des Scheiterns der Landesregierung muss sein, damit es einen Neuanfang geben kann." Werde so weitergemacht, drohten Insolvenzen und weitere Arbeitsplatzverluste. "Wir sagen Ja zum Ring und zur Formel 1, aber Nein zu Richter und Lindner." Die CDU traue dem Pachtvertrag und Minister Lewentz nicht, "weil er nicht weiß, was er tun soll".fcg
Extra

Juristische Niederlage für die Nürburgring GmbH: Ihr Ex-Finanzchef Hans-Jürgen Lippelt muss laut Urteil des Arbeitsgerichts Koblenz der Gesellschaft keinen Schadenersatz in Millionenhöhe zahlen. Gegen das Urteil kann noch Berufung eingelegt werden. dpa

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