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Parteiaustritt von Melanie Wery-Sims, Landesvorsitzende der Linken RLP

Parteien : Politischer Paukenschlag: Linken-Landesvorsitzende Melanie Wery-Sims schmeißt hin und tritt aus der Partei aus

Neue Unruhe bei der krisengeschüttelten Linkspartei: Die rheinland-pfälzische Vorsitzende Melanie Wery-Sims ist aus der Partei ausgetreten. Was sagt die 38-jährige Hunsrückerin zu den Gründen des Knall-Auf-Fall-Rückzugs?

Die Linkspartei kommt aus den Negativ-Schlagzeilen nicht heraus: Die rheinland-pfälzische Vorsitzende Melanie Wery-Sims aus Breit (Kreis Bernkastel-Wittlich) ist aus der Partei ausgetreten. Ihren Entschluss teilte die 38-Jährige in einem unserer Redaktion vorliegenden Schreiben allen „Genoss*innen, Freund*innen, Kritiker*innen und alle, die es in irgendeiner Weise interessiert“, mit.

Als Gründe für den Austritt nennt Wery-Sims in dem Schreiben unter anderem die innerparteilichen Grabenkämpfe. „Ich habe es satt, mich immer wieder beweisen zu müssen“, so die Linken-Politikerin wörtlich. „Nie ist frau gut genug, immer wissen es zig Leute besser, aber kaum eine/r der Kritiker*innen ist selbst aktiv.“

Weiter heißt es in dem Schreiben, sie könne derzeit noch nicht einmal Pressemitteilungen schreiben, „ohne dass sich Bauchschmerzen bemerkbar machen. Denn alles rund um die Linke fühlt sich gerade unehrlich an, da ich nicht mehr hinter dem Vorgehen der Partei stehe.“

Die Politikerin kritisierte in der Vergangenheit auch den Umgang ihrer Parteii mit den Vorwürfen sexueller Übergriffe innerhalb der Linken. Auch bemängelt sie die positive Haltung vieler ihrer Genossen zu Russland.

Linken-Landesgeschäftsführer Fabian Bauer bestätigte am Montagnachmittag gegenüber unserer Redaktion den Austritt Wery-Sims‘. In den nächsten Tagen würden nun die Gremien der Partei tagen, „dann wissen wir, wie es weitergeht“, sagte Bauer. Der Landesgeschäftsführer sprach von einer „schwierigen Situation der Partei“.

Melanie Wery-Sims stand erst seit Herbst an der Spitze der Landes-Linken. Die vierfache Mutter wurde seinerzeit zur Nachfolgerin der ehemaligen Trierer Linken-Bundestagsabgeordneten Katrin Werner gewählt, die Wery-Sims als „bodenständig, wissbegierig, ehrgeizig und mit einer schnellen Auffassungsgabe ausgestattet“ lobte. Die gelernte Fremdsprachenassistentin Wery-Sims kümmerte sich jahrelang bei der rheinland-pfälzischen Linkspartei um die Finanzen. Mit ihrer Bewerbung für das Amt der Linken-Bundesschatzmeisterin war sie allerdings im Juni gescheitert.

Auf ihrer Facebook-Seite kündigte sie daraufhin an, persönliche Konsequenzen zu ziehen. Dass dazu aber auch ein Parteiaustritt gehören würde, dürfte viele überraschen.

Wie es mit der ohnehin angeschlagenen Partei nun auf Landesebene weitergehen wird, ist unklar. Co-Vorsitzender ist seit Herbst Stefan Glander (54) aus Kaiserslautern. Die rheinland-pfälzische Linke hat rund 1800 Mitglieder. Bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr kam die Partei auf 2,5 Prozent der Stimmen und scheiterte damit erneut an der Fünf-Prozent-Hürde.

Wery-Sims war am Montag zunächst weder telefonisch noch über die sozialen Medien für eine Stellungnahme erreichbar. Sie kündigt in dem Schreiben aber an, auf kommunaler Ebene weiter aktiv zu bleiben. Dort höre man ihr zu und setze es in den Gremien auch um. Wery-Sims ist Kreisvorsitzende der Bernkastel-Wittlicher Linken und Mitglied des dortigen Kreistags.