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Pendel-Diplomatie mit anschließendem Geständnis

Pendel-Diplomatie mit anschließendem Geständnis

Der Prozess gegen drei mutmaßliche Anlage-Betrüger geht schneller zu Ende als gedacht. Am Freitag legten alle Angeklagten überraschend Geständnisse ab. Das Urteil fällt in zwei Wochen.

Trier. Der fünfköpfigen Kammer des Landgerichts und Staatsanwalt Matthias Teriet dürfte am späten Freitagvormittag ein Stein vom Herzen gefallen sein. Quasi in letzter Minute, kurz vor Ablauf des vom Vorsitzenden Richter Armin Hardt am Montag verkündeten "Ultimatums" für ein Geständnis, machten die drei Angeklagten über ihre Verteidiger reinen Tisch. Zuvor hatten sämtliche Prozessbeteiligten allerdings hinter verschlossenen Türen noch einmal eine geschlagene Stunde "gekungelt". Verfahrens-Absprachen sind nichts Unübliches; das einzige Problem: Auf Prozess-Besucher dürfte vor allem die damit einhergehende "Pendel-Diplomatie" der Verteidiger, die dauernd zwischen Richter-Zimmer und den Zellen ihrer Mandanten hin und her flitzen müssen, ziemlich merkwürdig wirken. Sei's drum: Nach 60-minütiger Unterbrechung machte der Vorsitzende Richter jedenfalls ein fröhliches Gesicht. Da konnten auch die Zuschauer im Saal 66 schon erahnen, dass die nach dem ersten Prozesstag nicht zu erwartenden Geständnisse folgen würden. Im Gegenzug waren den Angeklagten vom Gericht Maximalstrafen zwischen dreieinhalb und fünf Jahren zugesichert worden. Hätte sich nach einem monatelangen Verhandlungsmarathon die Schuld der drei Angeklagten herausgestellt, wären die Strafen deutlich höher ausgefallen. Wohl der Hauptgrund, warum auch die zunächst eher schweigsamen 48 und 50 Jahre alten Hauptangeklagten dem "Deal" zustimmten.

Nach der rhetorischen Frage des Vorsitzenden Richters ("Alles klar?") folgten die Auftritte der drei Verteidiger Dieter Kalicki, Stefan Schatz und Christoph Pitsch. Die Trierer Anwälte verlasen im Namen ihrer Mandanten vorbereitete Erklärungen. Tenor: Es tut uns leid, wir sind mit guten Absichten gestartet, hätten aber ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Anleger mehr akquirieren dürfen und sind letztlich auch selbst Betrügern aufgesessen.

"Ein halbherziges Geständnis", raunzt jemand im Zuschauerraum, "weitgehend geständig", nennt es die Kammer. Ausreichend jedenfalls, um in zweieinhalb Wochen - dann gibt's Plädoyers und Urteil - einen Schlussstrich unter den Fall zu ziehen. Genauer gesagt sind es 99 Fälle, von denen nur gut die Hälfte angeklagt war - der Rest wird nach den Geständnissen eingestellt. Das spart viel Zeit und Arbeit.

Um insgesamt 2,65 Millionen Euro soll das mutmaßliche Betrüger-Trio überwiegend Bekannte und Freunde mit völlig überzogenen Rendite-Versprechen (Verdoppelung des Kapitals in einem Jahr) erleichtert haben. Sich selbst gönnten die Angeklagten in dieser Zeit Monatslöhne bis zu 6000 Euro. Der Hauptangeklagte schenkte seiner Mutter einen schmucken Mercedes für 27 500 Euro.

Was den Betrugsfall von anderen unterscheidet: Rund 440 000 Euro wurden den Anlegern wieder ausgezahlt, über 900 000 Euro stellte die Staatsanwaltschaft zusätzlich noch sicher. Keine schlechten Aussichten also für die geprellten Anleger, zumindest einen Teil des Geldes wiederzusehen. Allerdings unverzinst. Die ersten Anträge wurden laut Staatsanwalt Matthias Teriet schon gestellt.