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Pflegekammer Rheinland-Pfalz: 81 Stimmen für 40 000 Menschen

Pflegekammer Rheinland-Pfalz: 81 Stimmen für 40 000 Menschen

Die Pflegeberufe sollen in Rheinland-Pfalz eine starke Standesvertretung bekommen. An der Wahl zur ersten Vertreterversammlung für die Pflegekammer beteiligten sich 11 200 Menschen. Zu wenige, meinen Kritiker.

Trier. Nach jahrelanger Vorarbeit wird die bundesweit erste Pflegekammer am 25. Januar in Mainz ihre Arbeit aufnehmen. Dann werden sich die 81 der insgesamt 500 Pflegekräfte treffen, die auf den 17 Listen für die erste Vertreterversammlung zur Wahl standen. 11 200 Stimmberechtigte hatten sich daran beteiligt - das entspricht 43,4 Prozent. Denn lediglich 25 800 der landesweit 40 000 potenziellen Kammermitglieder hatten sich mit ihren Daten für die Wahl registriert.
Markus Mai, Vorsitzender des Gründungsausschusses und Spitzenkandidat der mit 26,1 Prozent erfolgreichsten Liste, kann mit der Wahlbeteiligung dennoch leben: "Das Ergebnis ist akzeptabel, denn wir liegen damit im Schnitt aller vergleichbaren Kammerwahlen. Aber natürlich haben wir etwas mehr erwartet." Der stellvertretende Pflegedirektor im Brüderkrankenhaus Trier und Leiter der Stabsstelle Pflegewissenschaften der BBT-Gruppe glaubt, dass die komplexen Wahlunterlagen viele Stimmberechtigte abgeschreckt haben. "17 Listen mit 500 Namen, das ist einfach sehr viel. Vor allem für jene, die keinen Kandidaten kennen."Kammer wirbt um Vertrauen


Nun gehe es darum, die Masse der Mitglieder mitzunehmen. Sie sollen laut Mai in alle Grundsatzentscheidungen der Kammer einbezogen werden. "Ein wichtiges Ziel der nächsten fünf Jahre wird es sein, in jedem Betrieb einen Ansprechpartner für die Kammerarbeit zu haben."
Die fraktionsübergreifend vom Landtag legitimierte Kammer soll das Ansehen der Pflegeberufe verbessern und sie auf die gleiche Ebene der Selbstverwaltung stellen wie bei anderen Heilberufen, zum Beispiel Ärzten. Alle Pflegefachkräfte im Land werden dafür Pflichtbeiträge zahlen müssen. Die Höhe steht noch nicht fest.
Die Gewerkschaft Verdi ist von der Wahlbeteiligung enttäuscht. "Bei der Basis scheint das Vorhaben Pflegekammer noch nicht angekommen zu sein", sagte Frank Hutmacher, Fachbereichsleiter bei Verdi Rheinland-Pfalz-Saar. Die Gewerkschaft war mit der Liste "ArbeitnehmerInnen gestalten Pflege" angetreten und stellt mit 15,8 Prozent die zweitgrößte Kraft in der Vertreterversammlung. In der werden Mitglieder aller 17 Listen ab Januar unter anderem darüber diskutieren, wie eine Berufsordnung für die ambulante und die klinische Pflege aussehen soll.Meinung

Noch nicht genug Akzeptanz
Die Kritiker einer eigenen Standesvertretung für professionelle Pflegekräfte in Rheinland-Pfalz werden vorerst nicht verstummen. Dazu ist eine Wahlbeteiligung von 43,4 Prozent zu gering. Letztlich haben nur 11 200 der landesweit 40 000 Pflegenden ihre Stimmen abgegeben. Für die 81 gewählten Mitglieder der neuen Pflegekammer ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: Sie müssen beweisen, dass sowohl ambulante wie stationäre Pflege eine starke Lobby bekommt. Die steigenden Ansprüche an den Pflegeberuf bei zunehmender Personalnot bieten dafür ausreichend große Herausforderungen. r.neubert@volksfreund.de