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Pflegekräfte wollen Standards in ambulanter Versorgung

Die Pflegekammer Rheinland-Pfalz möchte eine einheitliche Qualitätsstandards. Foto: D. Karmann/Archiv
Die Pflegekammer Rheinland-Pfalz möchte eine einheitliche Qualitätsstandards. Foto: D. Karmann/Archiv FOTO: Daniel Karmann
Mainz. Für die Versorgung von Schwerstkranken im häuslichen Umfeld muss es nach Einschätzung der Pflegekammer Rheinland-Pfalz dringend eine eigene Landesrahmenvereinbarung geben. In einer solchen Vereinbarung zur ambulanten Intensivpflege müssten Sozialministerium, Kostenträger und Pflegedienste einen Satz festlegen, der nicht unterschritten werden dürfe, forderte der Präsident der Pflegekammer, Markus Mai, am Montag in Mainz. Dieser Stundensatz müsse deutlich über 35 Euro liegen, sonst sei die Versorgung nicht aufrechtzuerhalten. „Schlechte Pflege akzeptieren wir da nicht, dann lieber gar keine Pflege“, sagte Mai. dpa

Aus Sorge um die häusliche Pflege von Schwerstkranken will die Landespflegekammer einen Runden Tisch einrichten und die Qualität der Versorgung über eine eigene Landesrahmenvereinbarung regeln. Weil es an Geld und Personal fehle, sei die Abdeckung mit ambulanter Intensivpflege in einigen Regionen wie im Raum Trier und in der Eifel bereits kritisch, sagte der Präsident der Pflegekammer, Markus Mai, am Montag in Mainz. Auf dem von der Kammer organisierten Pflegetag Rheinland-Pfalz geht es am (morgigen) Dienstag auch um Gewalt gegen Patienten wie gegen Pflegekräfte. In der Kammer sind 39 500 Pflegefachkräfte organisiert; seit 2016 besteht eine Pflicht zur Mitgliedschaft.

Mai forderte eine Rahmenvereinbarung zur ambulanten Intensivpflege, in der das Gesundheitsministerium, Kostenträger und Pflegedienste einen Satz festlegen müssten, der nicht unterschritten werden dürfe. Dieser Stundensatz müsse deutlich über 35 Euro liegen, sonst sei die Versorgung nicht aufrechtzuerhalten. „Schlechte Pflege akzeptieren wir da nicht, dann lieber gar keine Pflege“, sagte Mai. „In der häuslichen Versorgung ist die Pflegefachkraft wie ein Mitglied der Familie“, fügte Vizepräsidentin Sandra Postel hinzu.

In dem besonders sensiblen Betätigungsfeld der ambulanten Intensivpflege erfordere der Umgang mit Hochrisikopatienten ein vertrauensvolles Miteinander, betonte die Kammer. Besorgt äußerte sich Mai über Medienberichte zu betrügerischen Diensten in der ambulanten Intensivpflege, etwa in Bayern. Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks setzen Pflegedienste unqualifiziertes Personal ein, rechnen aber Intensivfachkräfte ab, für die sie von den Kassen viel Geld erhalten. „Rheinland-Pfalz ist von solchen Entwicklungen sicher nicht ausgenommen“, erklärte die Pflegekammer.

Zum zweiten Pflegetag Rheinland-Pfalz werden am Dienstag 1400 Teilnehmer in Mainz erwartet. Ein Schwerpunkt der Gespräche wird die Diskussion über Gewalt in der Pflege sein - sowohl gegen Betreuungspersonen als auch gegen Pflegekräfte. Es gebe massive Rückmeldungen von Pflegenden auch in der ambulanten Betreuung über Gewalterfahrungen, sagte Postel. Pflegekräfte erfahren nach ihren Worten auch vielfach strukturelle Gewalt aufgrund von Abläufen und organisatorischen Mängeln. Die Kammer fordert einen gesetzlich verankerten Personalschlüssel, der sich am tatsächlichen Bedarf orientiert.

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) legte am Montag das Ergebnis einer Versichertenbefragung vor, wonach 86 Prozent der begutachteten Pflegebedürftigen insgesamt mit der Arbeit des Dienstes zufrieden sind. Gefragt wurde etwa nach Informationen zur Begutachtung und dem persönlichen Auftreten des Gutachters oder der Gutachterin.

Pflegekammer Rheinland-Pfalz