Pillen an der Fleischtheke

Pillen an der Fleischtheke

Die Apotheker im Land wollen den Versandhandel mit Medikamenten verbieten. Beim Landesapothekertag in Trier kritisierten die rund 200 Anwesenden die Auswüchse des Handels und forderten klare Regelungen.

Trier. Medikamenten-Kauf in der Metzgerei? Das ist längst Realität. Statt in die Apotheke zu gehen, kann man seine Arzneimittel auch übers Internet bestellen und dann an sogenannten Pick-up-Stellen, etwa in einer Metzgerei, abholen. Für die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer ist das ein Auswuchs des Arzneimittelgesetzes. "Das haben wir so nie gewollt", sagte Dreyer beim Landesapothekertag in Trier.

Seit fünf Jahren ist es erlaubt, dass nicht nur Apotheken Arzneimittel abgeben. Derzeit bauen vor allem Drogerieketten ein Vertriebsnetz für Medikamente auf. Auch einige Lebensmitteldiscounter denken daran, künftig Pick-up-Stellen einzurichten. Die Ministerin will erreichen, dass solcher Wildwuchs künftig eingeschränkt wird und allenfalls rezeptfreie Medikamente in Supermärkten verkauft werden dürfen. Das fordert auch Wolf Bauer. Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Gesundheitsausschusses ist selbst Apotheker. Trotzdem kann er die Haltung seiner Kollegen nicht ganz teilen. Ein Verbot des Versandhandels, wie von den Apothekern zunächst gefordert, sei nicht realisierbar, sagte Bauer in Trier.

Kompetenz immer weniger gefragt



Auch Dreyer ist nicht generell gegen den Versandhandel von Medikamenten: "Der Medikamentenhandel übers Internet hat auch sein Gutes." Vor allem ältere, weniger mobile oder auf dem Land lebende Menschen und chronisch Kranke profitierten von der Liberalisierung des bislang streng abgeschotteten und reglementierten Apothekenmarktes.

Das sehen die Apotheker naturgemäß anders. Es sei nicht hinnehmbar, dass an jeder Tankstelle Arzneimittel verkauft werden, sagt Hermann Keller, Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Apothekerverbandes. Die Kompetenz der Apotheker sei immer weniger gefragt, kritisiert Keller. Allein der Preis sei mittlerweile entscheidend für die Medikamenten-Verordnung. Andreas Kiefer, Präsident der Landesapotheker-Kammer glaubt, dass die Arzneimittelsicherheit durch den Versandhandel gefährdet sei. Die Patienten würden nicht mehr beraten, es könnten ungehindert gefälschte Medikamente auf den Markt kommen. Kiefer will den Versandhandel komplett verbieten. Das sei jedoch politisch nicht durchsetzbar. Daher müsse man wohl mit der geplanten Herausnahme von rezeptpflichtigen Medikamenten aus dem Versandhandel zunächst einmal zufrieden sein. Dreyer warnt vor Schwarzmalerei. Der Versandhandel mache gerade einmal ein Prozent des Medikamentenmarktes in Deutschland aus.