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Pilotprojekt in Trier: Neue Elektroschockpistolen schrecken Gewalttäter ab

Trier/Mainz. Bis März 2018 soll ein Pilotprojekt der Trierer Polizei zeigen, ob rheinland-pfälzischen Streifenbeamten der Taser als zusätzliche Waffe hilft. Nun liegt ein Zwischenbericht vor. Florian Schlecht

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Elektroschockpistolen sollen für Polizisten ein Mittel sein, das sie in Notfällen gegen Gewalttäter einsetzen können, ohne von der Schusswaffe, dem Schlagstock oder dem Pfefferspray Gebrauch zu machen. Greifen Beamte zum sogenannten Taser, schießen sie zwei Metallpfeile ab, die eine Spannung von 50 000 Volt aufbauen, bei einer niedrigen Stromstärke von bis zu 3,6 Milliampere. Fünf Sekunden fließt dann der Strom, der die Muskulatur lähmt und Täter außer Gefecht setzt. Im rheinland-pfälzischen Streifendienst setzen bislang nur Polizisten aus Trier das Gerät ein. Ein Pilotprojekt soll bis März 2018 zeigen, ob die Elektroschockpistolen für den flächendeckenden Dienst im Land taugen.

Nun liegt ein Zwischenbericht vor, der den Weg ebnen könnte. In dem Papier, das unserer Zeitung vorliegt, loben die Trierer Beamten den bisherigen Einsatz der Taser: Sie verursachten weniger Verletzungen und schreckten Gewalttäter ab. In 18 Fällen kam die Waffe zwischen dem 6. März und dem 30. September zum Einsatz, wovon zwölfmal die bloße Androhung reichte, um Täter zu beschwichtigen. Viermal beschoss die Polizei Gewalttäter aus der Distanz, in zwei weiteren Fällen wendeten die Beamten den Taser direkt am Körper an. Die Getroffenen wiesen lediglich Eintrittsstellen der Pfeile oder leichte Rötungen auf, heißt es in dem Zwischenbericht.

Der Trierer Polizeipräsident Rudolf Berg sagt, Beamte hätten etliche Konflikte schlichten können, ohne Schlagstock oder Pfefferspray einsetzen zu müssen. Gruppen, die mit Angreifern sympathisierten, hielten sich mehr zurück. Den rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) ermutigen die Erfahrungen. "Zum jetzigen Zeitpunkt können wir davon ausgehen, dass das Gerät zur Verhinderung gewalttätiger Einsatzverläufe beitragen und somit Verletzungen auf beiden Seiten vermeiden kann", sagt er.

Ein Anlass, den Taser in der Streife zu testen, ist Gewalt gegen Polizisten. 3652 Straftaten zählte das Land im Jahr 2016. 703 Beamte wurden verletzt. Der steigende Trend bestätigt sich nach Landes-Angaben auch in den vorläufigen Zahlen der ersten drei Quartale 2017. Die Polizeigewerkschaften im Land fordern den flächendeckenden Taser-Einsatz. "Aus meiner Sicht gehört ein Taser zu jedem Streifenwagen", sagt Ernst Scharbach von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Benno Langenberger von der Deutschen Polizeigewerkschaft erwartet, nach dem Ende des Tests jede Dienststelle mit Tasern auszustatten. Der endgültige Bericht soll im April 2018 vorliegen.

Amnesty International mahnt dagegen an, 670 Todesopfer in den USA dokumentiert zu haben, die von 2001 bis 2015 im Zusammenhang mit einem Taser-Einsatz stehen. Riskant sei die Waffe bei Herzkranken und Schwangeren. Die Hemmschwelle, die Waffe einzusetzen, sei geringer. Katrin Werner, Landesvorsitzende der Linken, fordert, die Taser zu verbieten.

Wie viele Taser in Trier im Einsatz sind: Für das Pilotprojekt bei der Trierer Polizeiinspektion beschaffte das Land zehn Taser, die nach der Herstellerfirma benannt sind. Die Kosten belaufen sich auf gut 42 000 Euro, teilt Sprecher Steffen Wehner vom rheinland-pfälzischen Innenministerium mit. Die Elektroschockpistolen setzen deutschlandweit seit 2001 bislang nur Spezialeinheitskräfte ein. Auch Hessen und Berlin haben derzeit Pilotprojekte.4728655