Platzprobleme: In Luxemburg müssen Asylbewerber campieren

Platzprobleme: In Luxemburg müssen Asylbewerber campieren

Weil die Luxemburger Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge aus allen Nähten platzt, haben die Behörden zu einer ungewöhnlichen Maßnahme gegriffen: Neu ankommende Asylbewerber werden auf Campingplätzen untergebracht.

Luxemburg. Nadine Conrady bringt das Dilemma auf einen einfachen Nenner: "Entweder Zelt oder Straße", beschreibt die für den Einwanderungs- und Flüchtlingsdienst des Roten Kreuzes verantwortliche Frau ihr momentan größtes Problem. Nach Luxemburg kommen derzeit deutlich mehr Flüchtlinge, als das kleine, reiche Land unterbringen kann. Allein von Sonntag bis Dienstag hätten sich 120 neue Asylbewerber gemeldet, heißt es.
Die Zahl entspricht in etwa der Kapazität der vom Roten Kreuz in Luxemburg-Stadt betriebenen Aufnahmeeinrichtung Centre Don Bosco. Für 150 Menschen sei dort Platz, heißt es auf der entsprechenden Internetseite des Roten Kreuzes - 230 Personen seien derzeit dort untergebracht, berichtet der luxemburgische Radiosender RTL. Mit anderen Worten: Die Einrichtung, in der die Asylbewerber durchschnittlich vier bis sechs Wochen bleiben, platzt aus allen Nähten.
Weil Abhilfe vorerst nicht in Sicht ist, werden Neuankömmlinge schon seit Wochen auf drei luxemburgischen Campingplätzen, darunter der Platz in Echternach, untergebracht. Armee, Rotes Kreuz und Zivilschutz haben dort Zelte mit Feldbetten aufgebaut, damit die Flüchtlinge zumindest ein Dach über dem Kopf haben und nicht auf dem Boden schlafen müssen.
Ins Don-Bosco-Haus kommen derzeit nur Mütter mit Kindern unter drei Jahren, Schwangere oder gesundheitlich angeschlagene Personen, was dazu führt, dass Flüchtlingsfamilien mitunter getrennt werden. Diese kamen zuletzt überwiegend aus Serbien und Mazedonien.
Offenbar rechnet derzeit niemand damit, dass sich an der Situation rasch etwas ändert. Weitere Zeltunterkünfte seien in Planung, sagen die Verantwortlichen. Der luxemburgische Immigranten-Förderverein Asti hat das zuständige Familienministerium am Donnerstag scharf kritisiert und der Behörde Untätigkeit vorgeworfen. Es sei empörend, dass die Asylsuchenden in unbeheizten Zelten untergebracht würden, heißt es in einer Presseerklärung.
Unterdessen haben sich laut Asti zahlreiche Hausbesitzer und Hoteliers gemeldet, die bereit sind, zumindest vorübergehend Asylbewerber aufzunehmen.