Pokern: Nur noch, wenn der Staat zuschaut

"Flush", "Full House", "Raise", "All in". Begriffe, die vor einigen Jahren höchstens Insidern etwas gesagt hätten, sind anno 2008 in aller Munde: Die Rheinland-Pfälzer sind im Poker-Fieber. Doch damit dürfte sehr bald Schluss sein.

Mainz/Trier. (tl) Das Innenministerium in Mainz hat per Erlass Poker-Veranstaltungen untersagt, bei denen um Geld gespielt wird. Unverständlich für viele Rheinland-Pfälzer, die dem Fieber erlegen sind. Ob im Fernsehen, beim privaten Zocken mit Freunden oder bei Turnieren - das Kartenspiel ist zu d e r Freizeitbeschäftigung überhaupt geworden. Doch zumindest in Rheinland-Pfalz hat der Spaß nun ein Ende: Das Ministerium des Innern hat durch Erlass die einschlägigen Poker-Veranstaltungen, bei denen um Geld gespielt wird, grundsätzlich untersagt. "Wir wollen sicherstellen, dass insbesondere Minderjährige nicht in die Spielsucht abgleiten", erklärte Innenminister Karl Peter Bruch, in dessen Auftrag die für illegales Glücksspiel zuständige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier (ADD) nun den Turnieranbietern weitere Veranstaltungen untersagen wird. Und dies teilweise bereits getan hat, wie David Klein aus Waldesch (Kreis Mayen-Koblenz) leidlich erfahren musste. "Die ADD hat uns ein Unterlassungsschreiben mit Androhung von Zwangsgeld zugestellt", so der 29-Jährige, Gründer des Veranstalters "PokermaniaX". Im Zwei-Wochen-Rhythmus trug Klein Turniere in Koblenz und Umgebung aus. Wie auch bei vielen anderen Veranstaltern in ganz Rheinland-Pfalz üblich, mussten die Spieler eine Teilnahmegebühr von bis zu 15 Euro zahlen, für die zehn erfolgreichsten Akteure gab's Preise wie Laptops und Spielekonsolen. Die Resonanz: überwältigend. "Wir hatten im Schnitt 150 Spieler", so Klein, dessen Turniere vom Ordnungsamt mit zahlreichen Auflagen bedacht wurden. Ende April kam dann das Aus durch die ADD. Deren Pressesprecherin Eveline Dziendziol: "In dem zum 1. Januar in Kraft getretenen Glücksspielstaatsvertrag fällt auch Poker in den Bereich Glücksspiele und darf für Geld nur unter staatlicher Aufsicht betrieben werden." Heißt: in offiziellen Spielbanken. Während diese Regelung für Klein quasi das Aus bedeutet, begrüßt Raik Fischer vom Deutschen Poker-Sport-Verband das verschärfte Vorgehen der Behörden. "Unseriöse Veranstalter haben dem Pokersport einen großen Schaden zugefügt. Die werden nun vom Markt gespült." Entscheidend für den Erlass des Ministers: Die Einschätzung, dass Poker beispielsweise im Gegensatz zum Skat ein Glücksspiel ist. Dziendziol: "Skat ist als Geschicklichkeitsspiel anzusehen, das eine gewisse Erfahrung und Routine beim Spiel erfordert. Beim Poker ist der Erfolg oder Misserfolg jedoch überwiegend vom Zufall abhängig."