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Politik gibt Druck der Studenten nach

Politik gibt Druck der Studenten nach

Es geht vor allem um die "Studierbarkeit": Eine flexiblere Studienzeit, weniger Stoff und weniger Prüfungen sollen das Bachelor-Studium an deutschen Hochschulen einfacher machen.

Trier/Bonn. Begleitet von Protesten Tausender Studenten haben die Kultusminister am Donnerstagabend in Bonn eine Reform des Bachelor-Studiums beschlossen. Stofffülle und Prüfungen sollen begrenzt, die Studienzeiten flexibler gestaltet und ein Hochschulwechsel erheblich erleichtert werden. Für Diskussionen sorgte der Übergang vom Bachelor- zum weiterführenten Master-Studium: Die Kultusminister einigten sich darauf, dass die Hochschulen "zur Qualitätssicherung oder aus Kapazitätsgründen" weiterhin eigene Zulassungskriterien bestimmen. Der Wegfall dieser zusätzlichen Hürden ist eine Kernforderung der studentischen Proteste.

Kultusminister und Hochschulrektoren riefen in einer gemeinsamen Erklärung die Studenten auf, ihre Vorlesungsboykotts und Proteste einzustellen. Es sei jetzt an der Zeit, "wieder zu einem geregelten Studienbetrieb überzugehen". Ziel der einschneidenden Korrekturen sei die Sicherstellung von Qualität und "Studierbarkeit" der neuen Studiengänge, erklärten Kultusministerkonferenz (KMK) und Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

Am Rande der Konferenz kam es zu lautstarken Protesten von den anwesenden rund 4000 Studierenden: In Bussen, Bahnen und in einem "Bildungsboot" aus Mainz kamen sie zu einer Großdemo nach Bonn. Während die KMK drinnen über Reformen brütete, machten die Studenten ihrem Frust vor dem Tagungsgebäude mit Trommeln und Trillerpfeifen Luft. Dabei kam es auch zu kleineren Zwischenfällen und einer Blockade-Aktion. Einige Polizeibeamte seien von Demonstranten angegriffen worden, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei habe Pfefferspray eingesetzt. Es habe keine Verletzten und auch keine Festnahmen gegeben. Unweit des Tagungsorts blockierten etwa 100 Demonstranten die Schienen einer U-Bahn-Linie.

An der Universität Trier verfolgten mehrere Studenten den Verlauf der Ministerkonferenz im noch immer besetzten Seminarraum B 22. "Das ist doch eine Farce. Ich glaube nicht, dass die Kultusminister wirklich substanziell etwas ändern", sagte Student Sven Graas (22). "Stattdessen sollte die Bologna-Reform größtenteils rückgängig gemacht werden."

Zwar begrüßte Studentenvertreter Lucas Dembinsky den Beschluss der KMK als Reaktion auf die bundesweiten Proteste. Die Reformen gehen ihm und seinem Kollegen im Studierendenausschuss, Enzo Sarnelli, aber nicht weit genug. "Das Problem ist, dass für Bildung einfach zu wenig Geld ausgegeben wird", sind beide sich einig. "Jeder, sowohl die Politik als auch die Hochschulen, haben Fehler gemacht. Zwar war die Idee von Bachelor und Master nicht falsch - aber ihre konkrete Umsetzung", sagte Dembinsky.

"Der Handlungsdruck für die Minister war relativ hoch, weil die Öffentlichkeit in weiten Teilen Sympathien für die Studentenproteste zeigte", analysiert der Trierer Politikwissenschaftler Uwe Jun. "Diesen Handlungsdruck haben die Kultusminister erkannt." Eine Umsetzung der KMK-Beschlüsse könnte an der Trierer Fachhochschule bereits zum kommenden Sommersemester stattfinden, an der Uni Trier werden die Studenten wohl noch bis zum Wintersemester 2011/2012 warten müssen.