1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Politiker der Großregion fordern: Cattenom muss Chefsache werden

Politiker der Großregion fordern: Cattenom muss Chefsache werden

Bei einem Treffen im saarländischen Perl stimmen Parlamentarier aus Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Belgien für einen Sondergipfel der Regierungschefs. Ziel: das endgültige Aus für die Atomkraftwerke Cattenom und auch Tihange in Belgien.

Die Abgeordneten der Großregion verleihen ihrer Forderung nach Abschaltung des aus vier Reaktorblöcken bestehenden Kernkraftwerks Cattenom Nachdruck: Auf einer Sondersitzung des Katastrophenausschusses des Interregionalen Parlamentarierrates im saarländischen Perl beschlossen die 26 Mitglieder am Freitag einstimmig, die Regierungschefs der Großregion zu einem Atomkraft-Sondergipfel aufzufordern.

Dabei soll es nicht nur um die 60 Kilometer von Trier entfernte Anlage in Lothringen gehen, sondern auch um das belgische Atomkraftwerk Tihange, das 140 Kilometer nordwestlich der Eifelstadt Prüm liegt. Wie in Cattenom wurden auch beim Stresstest in Tihange Sicherheitsmängel festgestellt: Die Anlage ist nicht hochwassersicher, es muss eine Schutzmauer errichtet werden. Anfang Februar soll es auch in Tihange zu einem Störfall gekommen sein. Das Saarland und Luxemburg haben bereits Resolutionen gegen das an der Mosel gelegene Cattenom beschlossen. Der rheinland-pfälzische Landtag will noch im März einen solchen Beschluss fassen.

Der französische Generalkonsul im Saarland lieferte den Abgeordneten ein Argument für ihre Entscheidung: 750 Zwischenfälle habe es seit Bestehen des Kernkraftwerks Cattenom seit 1986 gegeben, sagte Philippe Cerf. Allerdings seien nur 100 davon so gravierend gewesen, dass die Öffentlichkeit hätte informiert werden müssen.

Ursprünglich wollten sich die Abgeordneten aus Rheinland-Pfalz, Luxemburg, Saarland, Belgien und Lothringen gestern über den Störfall in Cattenom vom Januar informieren. Kontrolleure hatten entdeckt, dass in einem Kühlbecken ein Ventil fehlte. Doch sowohl der Direktor des Kraftwerks als auch Vertreter der französischen Atomaufsicht blieben der Sitzung trotz einer Einladung fern.