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Politiker und Gewerkschaften entsetzt über Mord an Polizisten in Kusel

Kriminalität : „Wir durchleben gerade den realen Alptraum aller Polizisten“

Politiker und Gewerkschaftsvertreter zeigen sich entsetzt über die tödlichen Schüsse auf zwei Polizisten im Landkreis Kusel. Sie weisen auf die tägliche Gefahr für die Einsatzkräfte hin.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) ist sichtlich mitgenommen, als er sich am Montagvormittag kurz vor 12 Uhr in Mainz zu der Tötung der beiden Polizisten äußert. Es sei eine brutale Tat, sagt der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) sichtlich mitgenommen. „Als zuständiger Innenminister und oberster Dienstherr unserer Polizei und als Vater von vier Kindern im Alter der mit größter Brutalität ermordeten zwei jungen Polizeibeamten bin ich sehr erschüttert.“ Während Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) davon spricht, dass die Tat an „eine Hinrichtung“ erinnere, gibt sich Lewentz zurückhaltender.

Zu den Hintergründen und einem möglichen Motiv äußerte er sich nicht.  Lewentz erinnert daran, dass es für sogenannte lebensbedrohliche Einsatzlagen ein Einsatzkonzept, speziell für Streifenpolizisten, erarbeitet worden sei. Rund 3.600 Beamtinnen und Beamte seien in einem speziellen Training ausgebildet worden. Lewentz bestätigte, dass es sich bei der getöteten 24-jährigen Polizistin um eine Kommissaranwärterin gehandelt habe. Sie sei Studentin an der Landespolizei-Hochschule gewesen und habe sich in einem Praktikum befunden. Laut einer Polizeisprecherin haben die getöteten Polizisten Uniformen und Schutzwesten getragen. 

Auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zeigte sich entsetzt:  „Die Tat ist entsetzlich. Es bestürzt uns sehr, dass zwei junge Menschen im Dienst ihr Leben verloren haben“, teilte sie über Twitter mit. Dreyer ordnete Trauerbeflaggung an allen öffentlichen Gebäuden an. Für alle Streifenwagen im Land ist Trauerflor vorgesehen. CDU-Landeschefin Julia Klöckner sagte: „Die Tat schockiert. Zwei Polizisten sind erschossen worden, die ihre Arbeit machten. Zwei Beamte, die für unsere Sicherheit da waren, die nun selbst Opfer unfassbarer Gewalt geworden sind.“  Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) sprach über Twitter den Angehörigen der beiden Opfer sein Mitgefühl aus. Hering schrieb, die Polizisten hätten ihr Leben „für unsere Sicherheit gegeben“. Die Beauftragte für die Landespolizei, Barbara Schleicher-Rothmund, sprach von einem  „Angriff auf den Staat als Ganzes“.

Es sei ein „skrupelloses Vorgehen“ gewesen, sagte die Landeschefin der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Sabrina Kunz. Die Tat mache sie fassungslos. „Wir durchleben gerade den realen Alptraum aller Polizistinnen und Polizisten.“ Als Polizist habe man immer Angst, dass so etwas passieren könne, sagte sie weiter.  Laut Thomas Meyer Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft in Rheinland-Pfalz zeige die Tat „die real gewordene Gefahr, die der Polizeiberuf mit sich bringt.“ Ähnlich äußerte sich auch Bundesinnenministerin Faeser. Die Tat zeige, dass die Polizei „jeden Tag Leben für unsere Sicherheit riskiert“. Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz  sagte, die Polizisten „tun jeden Tag für unser Land, für diese Gesellschaft, für die Menschen in Deutschland Ihren Dienst. Und wie wir in solchen Augenblicken feststellen müssen, ist dieser Dienst nicht ohne Gefahr. Herzlichen Dank dafür, dass Sie auch an einem so schweren Tag wie heute Ihre Arbeit tun.“

Auch der  designierte Grünen-Vorsitzende Omid Nouripour erinnerte an die Gefahr, die Polizisten ausgesetzt sind. Sie leisteten ihren Dienst für das Allgemeinwohl und arbeiteten gerade in der Pandemie „Millionen Stunden und Überstunden“, sagte Nouripour. „Wenn sie bei Verkehrskontrollen so unter Lebensgefahr sind, ist das eine ganz, ganz schwierige Angelegenheit.“

 Laut Lewentz wurde zuletzt 2010 ein Polizist im Einsatz getötet. Ein Rocker hat den Beamten eines Sondereinsatz-Kommandos mit einem Revolver durch die geschlossene Haustür erschossen. 16 Polizisten sind nach Angaben der Hochschule der Polizei beim Hunsrück-Flughafen Hahn seit 1945 Opfer von tödlichen Angriffen in Rheinland-Pfalz geworden.