1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Polizei findet Verbrecher per Facebook - Land und Polizeipräsidium Trier prüfen Fahndungsmodell

Polizei findet Verbrecher per Facebook - Land und Polizeipräsidium Trier prüfen Fahndungsmodell

Die Polizei will das Online-Netzwerk Facebook zur Fahndung nutzen. Während Hannover schon erste Fälle gelöst hat, diskutieren die Ordnungshüter in Rheinland-Pfalz noch über Formen der Verbrecherjagd im Internet.

Trier. Es geschah während einer Demo im niedersächsischen Göttingen am 22. Mai: Ein Mann griff einen Polizisten mit einer Holzstange an und verletzte ihn schwer. Vier Tage später nahmen die Fahnder einen 20-jährigen Tatverdächtigen vorläufig fest. Ein schnelles Ergebnis, das nur durch das Facebook-Profil der Polizei Hannover möglich war, betonen die Ordnungshüter.
"Hallo Ihr da draußen!" oder "Liebe Facebook-Gemeinde!" — so spricht die Polizei Hannover ihre Leser an. Seit März 2011 hat sie ein offizielles Profil, hat laut eigenen Angaben über dieses schon acht Fälle vom Autodiebstahl bis zu vermissten Kindern gelöst und sucht jetzt erstmals in einem Mordfall über die Internet-Plattform nach dem Täter. Nach dem niedersächsischen Vorbild gibt es bundesweit Überlegungen, das Online-Netzwerk für Ermittlungen zu nutzen.
Die Polizei Mecklenburg-Vorpommern fahndet ebenfalls bereits via Facebook. Das bayerische Innenministerium hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die untersucht, wie soziale Netzwerke von der Polizei genutzt werden könnten. Die Polizei in Baden-Württemberg will beim Milliardenvorhaben Stuttgart 21 auf Twitter und Facebook setzen und ihr Vorgehen erläutern.
Das rheinland-pfälzische Innenministerium hält Facebook und andere Netzwerke für eine "aus polizeilicher Sicht ernstzunehmende Kommunikations- und Informationsstruktur, in der die heutige Generation bereits ganz überwiegend vertreten ist und sich manchmal sogar ausschließlich dort informiert". Auch die Polizei, so das Ministerium, müsse sich diesen neuen Medien anpassen. Noch laufe die Diskussion. "Ein Vertreter unserer Behörde ist mit dabei", sagt Monika Peters, Sprecherin des Polizeipräsidiums Trier.
Datenschützer warnen vor einem Missbrauch der veröffentlichten Daten und vor gefälschten Polizeiauftritten, in denen Unschuldige zur Fahndung ausgeschrieben werden. Noch sei unklar, wer Facebook rund um die Uhr beobachten solle, um Einträge und Kommentare zu pflegen, sagte eine Sprecherin der Hamburger Polizei.
Hintergrund: Facebook sucht nach Annikas Mörder