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Polizei hält Eifeler für Doppelmörder

Polizei hält Eifeler für Doppelmörder

Weil er gegen Auflagen verstoßen hat, sitzt ein im April aus der Haft entlassener Mörder vor dem Trierer Landgericht. Die Polizei glaubt, dass er außerdem für einen ungeklärten Prostituiertenmord in Trier verantwortlich ist.

Trier. Sitzt dort auf der Anklagebank der Mörder von Maria Concalves? Die Trierer Kripo scheint davon überzeugt zu sein, dass der 35-jährige Eifeler vor 16 Jahren die portugiesische Prostituierte im Trierer Eros-Center ermordet hat. Obwohl immer wieder Verdächtige festgenommen worden sind, ist der Fall bis heute ungeklärt.

Es gebe Indizien dafür, dass der 35-Jährige die Prostituierte umgebracht habe, sagte gestern ein Kripobeamter vor dem Trie-rer Landgericht. Zudem hat sich der gelernte Schlosser im April in einer Kneipe im saarländischen Otzenhausen selbst bezichtigt. "Die Nutte in Trier habe ich auch umgebracht", soll er in betrunkenem Zustand gesagt haben. Für die Trierer Polizei und die Staatsanwaltschaft war das zunächst einmal ein ausreichender Tatverdacht , um den Mann vorläufig festzunehmen. Erst ein paar Wochen zuvor war er aus einer zwölfjährigen Haft entlassen worden, weil er 1997 in Speicher (Eifelkreis Bitburg-Prüm) eine 42-jährige Prostituierte ermordet hatte.

Allerdings sitzt der Eifeler nun nicht als Mordverdächtiger vor dem Trierer Landgericht. Der Staatsanwaltschaft sind die Indizien dafür zu dünn. Dem Mann wird in dem laufenden Prozess vorgeworfen, gegen Führungsauflagen verstoßen zu haben. Weil nach seiner Haftentlassung Gutachter den Eifeler, der sich selbst als Einzelgänger bezeichnet, als gefährlich einstuften, hatte das Gericht den Mann in eine offene Einrichtung nach Otzenhausen geschickt. Als Auflage wurde ihm gemacht, keinen Alkohol mehr zu trinken. Dagegen - so die Anklage - soll der Mann an dem Abend Ende April in der Kneipe verstoßen haben. Wegen einer Persönlichkeitsstörung soll der Alkoholiker im betrunkenen Zustand gewalttätig geworden sein.

Die Staatsanwaltschaft wollte den Mann nach seiner Haft in nachträgliche Sicherungsverwahrung schicken. Das Gericht hat dies im April jedoch abgelehnt, weil es seit seiner Verurteilung keine "neuen Tatsachen" gegeben habe. Man habe ein "flaues Gefühl" dabei gehabt, den Mann in eine Einrichtung zu schicken, die er jederzeit verlassen konnte, sagt Oberstaatsanwalt Ingo Hromada. Er glaubt nicht, dass der 35-Jährige der gesuchte Prostituiertenmörder ist. Es gebe zwar Indizien, die dafür sprächen - etwa, dass es sich bei dem Täter um einen Zwei-Meter-Mann wie den Eifler handeln soll -, aber auch jede Menge, die dagegen sprächen - wie die damals am Tatort gefundenen DNA-Spuren, die nicht von ihm stammten. Der Kripobeamte berichtet, der 35-Jährige habe in Vernehmungen gesagt, er habe versucht, sich in seinem Auto umzubringen, weil ihn "nach der Tat" ein "schlechtes Gewissen" geplagt habe. Da er unmittelbar nach der Ermordung der Prostituierten in Speicher verhaftet worden sei und so keine Möglichkeit bestanden habe, sich durch einen Autounfall umzubringen, könne diese Aussage nur auf die Tat im Eros-Center hindeuten, sagte der Beamte.

Während sich der Mann am ersten Prozesstag bei Fragen von Richter Albrecht Keimburg zurückhaltend und ruhig gibt, schildern ihn Polizisten, die ihn im April festgenommen haben, als gewaltbereit, angsteinflößend und wirr. Er habe geheult wie ein Wolf, gebrüllt, getobt und "perverse Gespräche" geführt. "Ich spalte Dir den Schädel", soll er dem von den saarländischen Polizisten herbeigerufenen Trierer Kripobeamten gedroht haben. Der sagt: "Er war an diesem Abend ein anderer Mensch." Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.