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Polizei verhaftet Taliban-Kämpfer in der Eifel - Ermittlungen wegen Beihilfe zum Mord

Polizei verhaftet Taliban-Kämpfer in der Eifel - Ermittlungen wegen Beihilfe zum Mord

Innerhalb kurzer Zeit werden zwei mutmaßliche afghanische Gotteskrieger in Rheinland-Pfalz festgenommen. Wie kam die Bundesanwaltschaft den islamistischen Kämpfern auf die Spur?

Die Bundesanwaltschaft hat nach Informationen unserer Zeitung im Altkreis Prüm einen mutmaßlichen Taliban-Kämpfer festnehmen lassen. Dem 21-jährigen Afghanen Khan A. wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung eine "Festnahme im nördlichen Rheinland-Pfalz". Der Ende Januar festgenommene Beschuldigte soll sich vor drei Jahren in Afghanistan den Taliban angeschlossen haben und Leibwächter eines sogenannten Kreisverwalters der islamistischen Terror-Bewegung gewesen sein. In dieser Funktion soll er laut den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft auch einen "Vollstrecker von Todesurteilen" begleitet haben. Die Talibanopfer seien überwiegend afghanische Regierungs- und Militärangehörige gewesen.

Weitere Details nannte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe nicht. Es ist bereits die zweite Festnahme eines mutmaßlichen Taliban in Rheinland-Pfalz innerhalb von acht Wochen. Anfang Dezember wurde ein 20-Jähriger verhaftet, der als "Gotteskrieger" gegen afghanische Polizei- und Sicherheitsbehörden gekämpft haben soll. Auch er sitzt in Untersuchungshaft.

Die Taliban-Bewegung ist in Deutschland als ausländische Terrororganisation verboten. Ihren Mitgliedern droht eine bis zu zehnjährige Gefängnisstrafe. Im vergangenen Jahr ließ die Bundesanwaltschaft nach Volksfreund-Recherchen drei mutmaßliche Taliban festnehmen; in diesem Jahr war der im Altkreis Prüm festgenommene Beschuldigte der bislang einzige.

Wie die Behörde auf die Spur der Terrorverdächtigen kam, wollte der Sprecher nicht sagen. Auch nicht, ob es sich bei einem der Beschuldigten um einen Asylbewerber handelt, der die Behörden selbst informiert haben könnte, um einer Abschiebung zu entgehen. Die Welt hatte zuletzt darüber berichtet, dass sich einige afghanische Asylbewerber in Deutschland als Taliban-Kämpfer "offenbart" hätten, um bleiben zu können. Seit Ende vergangenen Jahres werden abgelehnte afghanische Asylbewerber vermehrt abgeschoben - allerdings nicht aus Rheinland-Pfalz.

Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) hatte sich unter Verweis auf die Sicherheitslage in Afghanistan stets gegen Abschiebungen ausgesprochen. Nur Straftäter und Gefährder sollten "nach einer Einzelfallprüfung" zurückgeführt werden, so die Ministerin. Einmal war das in diesem Jahr schon der Fall.

Sollte sich der Verdacht gegen die in Rheinland-Pfalz festgenommenen Terrorverdächtigen erhärten, würden sie angeklagt. Der Prozess fände vor dem Staatsschutzsenat des Koblenzer Oberlandesgerichts statt. Bliebe die Mainzer Integrationsministerin bei ihrer Linie, drohte den mutmaßlichen Taliban-Kämpfern nach einer Verurteilung die Abschiebung. Würden die Vorwürfe entkräftet, dürften sie bleiben. Warum sollten sie also eine Taliban-Mitgliedschaft nur erfunden haben?

Laut Ministerium kamen im vergangenen Jahr rund 2700 afghanische Flüchtlinge nach Rheinland-Pfalz.Mehr zum Thema

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