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Polizistenmorde von Kusel: Gericht hat Urteil gegen Andreas S. gesprochen

Urteil: Lebenslang : Polizistenmord von Kusel - Richter: Andreas S. bleibt wohl mindestens 20 bis 25 Jahre im Gefängnis

Zwei Polizisten sind tot, erschossen auf einer Landstraße bei Kusel. Eine Tat, die im Saarland und bundesweit schockiert hatte. Das Landgericht Kaiserslautern hat Andreas S. nun schuldig gesprochen. Seine Tat gehe über das übliche Maß eines Mordes hinaus.

Im Mordprozess um die getöteten Polizisten bei Kusel ist der Hauptangeklagte Andreas S. schuldig gesprochen worden. Das Landgericht Kaiserslautern verurteilte ihn wegen Mordes in zwei Fällen zu lebenslanger Haft.

Richter: Andreas S. wohl mindestens 20 bis 25 Jahre in Haft

Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit gilt eine Entlassung des 39-Jährigen nach 15 Jahren im Gefängnis als ausgeschlossen. Der Haftbefehl gegen Andreas S. bleibt aufrechterhalten.

In der Urteilsbegründung im Kusel-Prozess sagte der Richter, erfahrungsgemäß dürfte Andreas S. mindestens 20 bis 25 Jahre in Haft bleiben.Die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung sah das Gericht jedoch nicht als gegeben.

Verdeckungsabsicht als Mordmerkmal bei Andreas S.

Die besondere Schwere der Schuld war laut Gericht nicht nur in Anbetracht der Gesamttat festzustellen, sondern bei jedem einzelnen Mord vorhanden. Die Tat von S. gehe über das übliche Maß eines Mordes hinaus, teilte das Gericht in seiner Urteilsbegründung mit.

Als Mordmerkmal stellte die Kammer bei Andreas S. die Verdeckungsabsicht fest. Er tötete demnach zur Verdeckung der Jagdwilderei und des Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Nebenangeklagter Florian V. der Jagdwilderei schuldig

Den Nebenangeklagten Florian V. sprach das Landgericht zwar der Mittäterschaft der gewerbsmäßigen Jagdwilderei schuldig, in einem besonders schweren Fall sogar. Es sah aber von Strafe ab, da der 33-Jährige bereits vor Prozessbeginn umfassend ausgesagt hatte. Er habe damit zur Aufklärung des Verbrechens beigetragen, hieß es, und seine Strafe wäre ohnehin nur gering ausgefallen. Der Mann soll sich an der Beseitigung der Spuren beteiligt haben, aber nicht geschossen haben.

In seiner Urteilsbegründung ging das Gericht auch auf das Verhältnis von Andreas S. und Florian V. ein. Der Nebenangeklagte sei ein jederzeit austauschbarer Lakai gewesen, sämtliche Vorgaben zur Jagd habe Andreas S. gemacht. Florian V. bekommt nun Entschädigung für die Zeit, die er in Haft saß.

Bei dem nächtlichen Verbrechen auf einer entlegenen Kreisstraße in der Westpfalz waren eine 24 Jahre alte Polizeianwärterin und ein 5 Jahre älterer Polizeikommissar mit Kopfschüssen getötet worden. Die Bluttat bei einer Fahrzeugkontrolle hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt.

Andreas S. hatte im Kusel-Prozess von Notwehr gesprochen

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Hauptangeklagte mit dem Verbrechen Jagdwilderei vertuschen wollte. Im Kastenwagen sollen zum Tatzeitpunkt 22 frisch geschossene Rehe und Hirsche gelegen haben.

Andreas S. hatte im Prozess ausgesagt, die Polizeistreife habe die beiden Männer überrascht. „Plötzlich“ habe sein damaliger Komplize mit einer Schrotflinte zuerst die Polizistin erschossen und dann den Polizisten angeschossen. Daraufhin habe der Polizist zu schießen begonnen: Er (39) habe daher seinerseits den 29-Jährigen mit drei Schüssen aus einem Jagdgewehr in einer Art Notwehrsituation getötet. Dieser Version folgte das Gericht aber nicht.

Der Polizeikommissar hatte 15 Schüsse aus der Dienstwaffe abgegeben, in der verregneten Januarnacht aber den Schützen nicht getroffen.

Staatsanwaltschaft sah „Hinrichtungscharakter“

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Anklagebehörde hatte gesagt, bei der Tat seien mehrere Mordmerkmale erfüllt, und die Tat habe „Hinrichtungscharakter“ gehabt - daher liege eine besondere Schwere der Schuld vor.

Die Verteidigung hatte für „ein gerechtes Urteil“ plädiert, ohne konkrete Forderung. Aus ihrer Sicht war die Tat „kein Mord, maximal Körperverletzung mit Todesfolge“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.