Polnisch-Inkasso-Prozess: Aus Tätern wären fast Opfer geworden

Polnisch-Inkasso-Prozess: Aus Tätern wären fast Opfer geworden

Zweiter Verhandlungstag im Prozess wegen einer gescheiterten kriminellen Geldeintreiberei: Glaubt man einem der beiden Opfer, sind die fünf Angeklagten in Kröv nur knapp mit dem Leben beziehungsweise ohne schwere Verletzungen davongekommen.

Selbstbewusst, mit einem losen Mundwerk ausgestattet und Modell Kleiderschrank: Wer den Zeugen am Dienstagnachmittag im Trierer Landgericht erlebt, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man den 37-jährigen Bauleiter womöglich besser nicht reizen sollte. "Es ist ja kein Geheimnis, dass ich ein bewegtes Vorleben habe", meint er gleich zu Beginn seiner Aussage und fügt hinzu: "Es war noch sehr freundlich von mir, dass ich mit den drei Männeken das Haus verlassen habe und zur Polizei gefahren bin."

Hätte es an diesem frühen Sonntagmittag in der Kröver Wohnung eine Gelegenheit ergeben, wären nach den Schilderungen des Bauleiters aus den mutmaßlichen Tätern wohl eher Opfer geworden. Den vier Polen und einem Deutschen wird derzeit in Trier der Prozess gemacht, weil sie Mitte August den Bauleiter und den Geschäftsführer einer Baufirma wegen ausstehender Löhne - es geht um etwa 7000 Euro - bedroht haben sollen. Die Sache ging aus Sicht der zwischen 31 und 41 Jahre alten Angeklagten in die Hose, weil der Bauleiter mit dreien von ihnen nicht zur Bank, wie vorgegeben, sondern zur Wittlicher Polizei fuhr. Die nahm das Quintett später fest; seit drei Monaten sitzen die Männer jetzt in Untersuchungshaft.

Zumindest einige von ihnen dürften sich Hoffnungen machen, vor Weihnachten auf Bewährung entlassen zu werden. Für einen 34-jährigen Polen allerdings wird es eng. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, den Bauleiter mit einem Gasrevolver bedroht zu haben. "Er hat die Pistole durchgeladen und sie mir an den Hinterkopf gehalten", erinnert sich das Opfer, der nach eigenen Angaben mehrfach darüber nachgedacht hat, die Sache vor Ort zu beenden. "Hätte einer von den fünfen einen Kaffee gewollt, hätte ich einem den Wasserkocher gegen den Kopf geschlagen und den nächsten aus dem Fenster geworfen", schildert der 37-Jährige seine Überlegungen an jenem Tag.

Danach hatten drei der Angeklagten auch Glück, als sie mit dem Bauleiter zur Bank fuhren, wie sie dachten. "Hätte es unterwegs Rambazamba gegeben, hätte ich eiskalt zugestochen", sagt der 37-Jährige, der während der Fahrt nach eigenen Angaben einen scharfkantigen Metallgegenstand in der Hand hielt. "Die Folgen wären mir egal gewesen." Angesichts dieser Schilderungen ging der unangemeldete Besuch des Quintetts bei dem in Kröv wohnenden Bau-Duo ja noch einigermaßen glimpflich über die Bühne. Der Prozess wird am übernächsten Dienstag fortgesetzt. Dann sagt das zweite Opfer aus. Das Urteil ist für Mitte Dezember geplant.

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