Populär und rasant

TRIER. Fast 20 Jahre lang leitete Hermann Josef Spital die Geschicke des Bistums, ehe er sich Anfang 2001 in den Ruhestand verabschiedete. An Silvester vollendet der bei den Gläubigen überaus beliebte Alt-Bischof sein 80. Lebensjahr. Das Bistum ehrt Spital mit einem Pontifikalamt im Trierer Dom.

Von seinem Altersruhesitz in Sichtweite des Trierer Doms hat Hermann Josef Spital immer noch einen erstklassigen Blick auf seine ehemalige Wirkungsstätte. Als das Bistum im April 2001 den damals 75-Jährigen Bischof mit einem Pontifikalamt verabschiedete, da hatte sich der hoch gewachsene Westfale schon entschieden, auch künftig in der ältesten Diözese Deutschlands wohnen zu bleiben. In den knapp 20 Jahren, die Spital zuvor an der Spitze des Bistums stand, hatte der einst nur schweren Herzens aus Münster weggegangene Kirchenmann die Region und ihre Menschen lieben gelernt ("Ich fühle mich als Trierer") - und die Menschen "ihren" Bischof.Leidenschaft für ausgefeilte Technik

Dass der 1925 geborene und gemeinsam mit sechs Geschwistern aufgewachsene Spital einmal Priester werden würde, war zunächst nicht abzusehen. Sein Berufswunsch nach dem Not-Abitur: Maschinenbau-Ingenieur. Statt Maschinenbau studierte Arzt-Sohn Spital aber zunächst eine Zeit lang Medizin, ehe er 1947 zur Theologie wechselte. Doch seine Leidenschaft für komplizierte Motoren und ausgefeilte Technik blieb. Um Spitals Vorlieben für schnelle Autos rankten sich später zwischen Eifel, Mosel und Hunsrück auch vielfältige Gerüchte. Mal wurde dem Bischof angeblich wegen Rasens der Führerschein abgenommen, mal gab's deshalb nur ein Knöllchen, mal hatte sich Hermann Josef Spital einen Ferrari geleistet. "Alles Kappes", lautete das stets gleiche Statement der bischöflichen Pressestelle. Doch allen Dementis zum Trotz überdauerten die Gerüchte sogar noch die Amtszeit des Alt-Bischofs. Und: Nicht zuletzt Spitals irdische Schwäche für Geschwindigkeit machte den promovierten Kirchenmann beliebt. Bischof Spital ging auf die Menschen zu, scheute auch vor konfliktreichen Diskussionen nicht zurück. "Mir war es immer wichtig, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen", sagte er kurz nach seiner Pensionierung in einem TV-Interview. Und: "Seelsorge heißt nicht regieren, Seelsorge heißt Menschen begleiten." Dabei hatte der gebürtige Westfale stets auch jene im Blick, die in einer materialistisch geprägten Gesellschaft leicht durch den Rost fallen. Die von Spital ins Leben gerufene "Aktion Arbeit" unterstützt und bezuschusst seit mittlerweile über 20 Jahren regionale Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekte für Arbeitslose. Der Leitsatz: "Besser Arbeit finanzieren als Arbeitslosigkeit!" Wegen seiner Äußerungen etwa zur Rolle der Frau in der katholischen Kirche ("Die Frau wird auf eine Weise zurückgesetzt und an der Mitbestimmung an manchen Stellen gehindert, dass wir das überdenken müssen") oder zum Zölibat ("Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist") galt Spital stets als liberales Aushängeschild unter den überwiegend konservativen deutschen Bischöfen. Ein Etikett, das dem langjährigen Medienbischof und Präsidenten der katholischen Friedensbewegung Pax Christi nicht sonderlich behagte: "Ich wollte kein liberaler, sondern ein guter Bischof sein."Großes Vertrauen in seine Mitarbeiter

Spricht man mit gläubigen Katholiken, ist Spital dies auch gelungen. Selbst der in seine letzten Amtsjahre fallende Skandal um den ehemaligen Chef der Caritas Trägergesellschaft Trier (ctt), Hans-Joachim Doerfert, dem Spital blindlings vertraute, statt ihn zu kontrollieren, änderte daran nichts. "Spitals Stärken waren zugleich auch seine größten Schwächen", sagen ehemalige Weggefährten des Alt-Bischofs. "Er hat seinen Mitarbeitern großes Vertrauen entgegengebracht." Die Affäre Ende der 90er-Jahre blieb nicht ohne Auswirkungen auf Spitals Gesundheit: Zwei Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren kam der Bischof mit einem Schwächeanfall ins Krankenhaus. Wenige Tage vor seinem Geburtstag gehe es dem beliebten Kirchenmann "den Umständen entsprechend gut", sagen Leute aus Spitals Umfeld. "Nichts Ernstes, nur die normalen Altersgebrechen." Wenn die es zulassen, wird der Trierer Volksbischof auch am Freitag nächster Woche um 10 Uhr im Dom erscheinen. Dann feiert das Bistum Hermann Josef Spitals Doppeljubiläum (Geburtstag und Silbernes Bischofsjubiläum) mit einem Pontifikalamt.