Porträt von Christian Baldauf (CDU): Er singt im Chor und liebt „Höllenglocken“

Rheinland-Pfalz : Christian Baldauf singt im Chor, liebt „Höllenglocken“ und führt bald wohl die CDU-Fraktion im Land an

Christian Baldauf könnte künftig das Ruder der CDU-Fraktion führen. Es wäre nicht das erste Mal. In der Partei gibt es Befürworter und Gegner.

Fröhlich schlendert Christian Baldauf durch das Foyer im Mainzer Landtag, einen Schal des 1. FC Kaiserslautern um den Hals und ein Lächeln im Gesicht. Die herbe Kritik, die der 50-Jährige an dem Morgen in den Zeitungen lesen muss, lässt er cool abperlen. „Gegenwind für Baldauf“ titelte der TV, „Baldaufs vermasselte Bewerbungsrede“ die Mainzer Allgemeine Zeitung. Der Grund für die Schelte: Die CDU-Landtagsfraktion hatte in einer Diskussion ein Thema gesetzt, das allgemein gehalten war – und im Landtag völlig ausuferte. Baldauf konnte kaum Nadelstiche setzen. Und die Ampelparteien hatten eine riesige Freude daran, sich an dem Mann abzuarbeiten, der Julia Klöckner als CDU-Fraktionschef im Land folgen könnte.

Doch der Pfälzer ist hart im Nehmen, schon aus seiner Geschichte heraus. Von 2006 bis 2011 führte Baldauf schon einmal die Fraktion im Landtag an – und erlebte turbulente Zeiten. Nach innen, weil er den Laden nach einer CDU-Spendenaffäre sanieren musste. Rechnungen stapelten sich in der Fraktion, Kreditlinien waren überzogen, schildern Kenner den Zustand, als Baldauf die am Boden liegende Fraktion übernahm. Der Pfälzer musste mit einem abgespeckten Budget und weniger Mitarbeitern zurechtkommen. Er baute Altlasten ab, was ihm interne Beobachter noch heute hoch anrechnen. Ebenso wie den Rückzug ins zweite Glied, damit Julia Klöckner und nicht er 2011 den damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck herausfordern konnte.

Nach außen reifte Baldauf wiederum an jenem Beck, der ihn anfangs „arrogant wie ein dummes Jüngelchen“ behandelte, wie manch ein CDU-Mann sich noch heute echauffiert. Im Parlament habe Beck dann schon mal gesagt: „Lesen Sie mehr Zeitung, Herr Baldauf! Lesen Sie mehr Zeitung!“ Inzwischen sagen Kenner der CDU-Fraktion, Baldauf habe aus der Zeit gelernt und sei deutlich robuster geworden.

Inzwischen beherrscht der Pfälzer die Abteilung Attacke. Und schärft das konservative Profil in der Landes-CDU: Der Jurist blüht dann auf, wenn es um fehlende Richter, Gewalt in Gefängnissen oder die Asylpolitik von Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) geht. Dann attackiert er die Landesregierung gelegentlich mit der Härte, die auch die Heavy-Metal Band AC/DC mit ihren Klängen gerne anschlägt, wie bei dem Lied „Hells Bells“ (auf Deutsch: „Höllenglocken“), das Baldauf gerne hört. Doch der Pfälzer hat auch sanfte Seiten. Er lauscht klassischer Musik, singt im Chor und ist Fan des 1. FCK. CDU-Insider loben den Familienvater dafür, auch mal einen Spaß zu machen, nicht bierernst zu sein. Die Sprunghaftigkeit, jedes politische Feld abzugrasen und zu skandalisieren, habe er abgelegt.

Ist Baldauf aber auch ein Mann, der die CDU in die Zukunft führen kann, vielleicht sogar als Spitzenkandidat einer Landtagswahl? Öffentlich halten sich Unionspolitiker bedeckt: zu viel könne bis dahin noch passieren. Hinter vorgehaltener Hand gibt es keine einhellige Meinung. „Er ist eine Übergangslösung, keine Lösung“, sagt ein Baldauf-Gegner, der meint, es fehle dem Pfälzer an der Strahlkraft eines Spitzenkandidaten. Der einzige Vorteil des Pfälzers, so findet der Kritiker: „Erfahrene Alternativen in der Fraktion wollen das Ruder nicht führen, Talente sollen nicht verheizt werden.“ Wenn Klöckner bald in Berlin sei und Baldauf in Mainz, so mutmaßt der Skeptiker aber, werde sich „ein Führungsvakuum“ in der Landes-CDU zeigen.

Andere Beobachter wischen die Kritik als altes Lagerdenken beiseite und schwärmen von Baldauf als „Teamplayer“. Er müsse nun die Herausforderung meistern, aus dem Schatten von Julia Klöckner zu treten und in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden als das, was er sei: „ein Kämpfer und zielstrebiger Arbeiter für unser Land“.

Und was sagt Baldauf selbst? Wenig. Er hüllt sich lieber in Schweigen, wenn es um seine Zukunft geht. Kein Wunder, zumal die SPD-Mitgliederentscheidung zur großen Koalition ihm noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Jeder schon geäußerte Satz könnte dann zum Bumerang werden. Auf die Frage, ob er neuer Fraktionschef wird, sagt er nur: „Die Frage kann ich nicht beantworten, das entscheidet die Fraktion.“ Bis Angela Merkel zur Kanzlerin gewählt ist und Julia Klöckner ihre Minister-Urkunde in der Hand hält, dürfte in Mainz daher keine Entscheidung fallen. Dann aber könnte die große Stunde von Christian Baldauf zum zweiten Mal schlagen.

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