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Prämie statt Patientenwohl? Kritik an Bonusverträgen für Chefärzte

Prämie statt Patientenwohl? Kritik an Bonusverträgen für Chefärzte

Manche Chefärzte in Krankenhäuser der Region erhalten neben ihrem festen Gehalt noch eine Zulage, die sich etwa daran orientiert, wie viele Patienten auf ihrer Station behandelt werden. Kritiker sehen durch solche Bonusvereinbarungen das medizinische Wohl der Patienten in Gefahr.

Die Chefärzte in deutschen Kliniken geraten immer stärker unter Druck, nur noch medizinische Behandlungen durchzuführen, die sich finanziell lohnen. Je mehr beispielsweise operiert wird, desto höher fällt dann die Bonuszahlung für den Chefchirurgen im Krankenhaus aus. Immer mehr leitende Mediziner erhalten neben ihrem Festgehalt von den Trägern ihrer Kliniken eine frei verhandelbare Extravergütung, die sich an der Erfüllung bestimmter Ziele orientiert; wie etwa an der vorher vereinbarten Zahl der zu behandelnden Patienten. Wird diese Fallzahl unterschritten, kann der Bonus schrumpfen. Kritiker solcher Vereinbarungen sehen bei Chefärzten die Gefahr, dass sie nicht mehr das Wohl des Patienten im Blick haben.
Auch in einigen Kliniken in der Region gibt es solche Bonusverträge für Chefärzte. Etwa im Bitburger Krankenhaus, wie Michael Osypka, Geschäftsführer beim Klinikträger Marienhaus GmbH, dem TV bestätigte. Neben Bitburg gehören die Kliniken in Neuerburg, Gerolstein, Hermeskeil und das ökumenische Verbundkrankenhaus Trier zu der Gesellschaft. Die Bonuszahlungen etwa im Bitburger Krankenhaus orientierten sich nur zu einem Teil an den Fallzahlen, im gleichen Maße würden auch Patientenzufriedenheit oder die Einführung neuer Behandlungsmethoden berücksichtigt, sagt Osypka. Trotz des Bonus würden sich die Chefärzte nur daran orientieren, was medizinisch notwendig und ethisch vertretbar ist.
Auch im Trierer Brüderkrankenhaus erhalten Chefärzte Sonderzahlungen, wenn sie bestimmte Ziele erreicht haben. Diese orientierten sich etwa an der medizinischen Qualität oder der Mitarbeiterzufriedenheit, erklärt Kliniksprecherin Anne Britten. Die variable Vergütung liege unter zehn Prozent des Gesamtgehaltes eines Chefarztes. Keine Bonuszahlungen für Chefärzte gibt es im Trierer Mutterhaus und im Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich.Es bestehe die Gefahr, dass durch solche Vereinbarungen, medizinische Entscheidungen in erster Linie durch wirtschaftliche Vorgaben bestimmt werden, meint Günther Matheis, Vorsitzender der Bezirksärztekammer. Bonuszahlungen sollten sich, so Matheis, vor allem an der Einhaltung der medizinischen Qualität orientieren.