Prozess: Junge Studentin im Todeskampf, Ex-Freund googelte: "Rote Augen tot"

Prozess: Junge Studentin im Todeskampf, Ex-Freund googelte: "Rote Augen tot"

Im Prozess vor dem Trierer Landgericht um den Tod einer 20-jährigen Studentin nach einer Überdosis einer Partydroge ist deren Ex-Freund schwer belastet worden. Während die Frau im Todeskampf lag, soll der 31-Jährige im Internet nach Ratschlägen gesucht haben, statt einen Notarzt zu rufen.

Wer im Netz surft, hinterlässt Spuren. Das könnte auch einem 31-jährigen Informationstechniker aus Nordrhein-Westfalen zum Verhängnis geworden sein. Seit Juli vergangenen Jahres muss er sich vor dem Trierer Landgericht verantworten. Er soll schuld daran sein, dass seine 20-jährige Ex-Freundin an einer Überdosis des hochgefährlichen Lösungsmittels Gamma-Butyrolacton (GBL) gestorben ist. Der Mann soll nichts unternommen haben, um ihr zu helfen, nachdem sie ins Koma gefallen war. Erst eine Mitbewohnerin der aus einem Nachbarort des Mannes stammenden Biologie-Studentin hatte in der Nacht den Notarzt gerufen, der aber nur noch den Tod der jungen Frau feststellen konnte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 31-Jährigen Totschlag durch Unterlassen vor.

Der Vorwurf wird nun durch ein Gutachten eines Informatikers gestützt. Ihm ist es gelungen, auf dem Rechner der 20-Jährigen nachzuvollziehen, welche Internetseiten zu dem Zeitpunkt, als sie vermutlich schon bewusstlos war, aufgerufen wurden. Vermutlich vom Ex-Freund der jungen Frau. Er war zu dem Zeitpunkt zu Besuch bei der jungen Frau.

Zunächst ist im Netz nach den Begriffen "GBL Überdosis" gesucht worden. Auch ein Forum einer Internetseite, die sich selbst als "eine Seite für Interessierte und Konsumenten" bezeichnet, ist aufgerufen worden. Darauf ist nach TV-Recherchen unter anderem zu lesen, was mit ins Koma gefallenen GBL-Konsumenten zu machen ist: "Stabile Seitenlage und gegen Unterkühlung schützen. Mehr kann man fast nicht machen", rät ein Nutzer. Ein anderer meint: "In sichere Lage bringen und abwarten. Nach ein paar Stunden wacht man wieder auf." Der Angeklagte soll die Studentin, nachdem sie ins Koma gefallen war, tatsächlich in stabile Seitenlage gebracht haben. Das jedenfalls hat er vor dem Prozess bei der Polizei ausgesagt. Außerdem soll er sie zum Erbrechen gebracht haben.

Gegenüber dem psychiatrischen Gutachter hat er bestritten, der Frau das GBL, das er regelmäßig als Droge genommen hat, gegeben zu haben.
Angeklagter schweigt

Sie habe gegen seinen Willen "einen Schluck" genommen. Zuvor habe er sie gehindert, aus dem Fenster ihres Zimmers zu springen - die 20-Jährige habe sich umbringen wollen.

Während des Prozesses hat sich der 31-Jährige bislang nicht geäußert. Auch gestern schwieg er. Nach den Erkenntnissen des Informatikers sind an dem Abend eine Datei zu "internistischen Notfällen" auf dem Computer der Studentin geöffnet und weitere Suchbegriffe im Internet eingegeben worden, wie etwa "starre Pupillen", "flacher Puls", "blaue Lippen", "rasselnder Atem", "rote Augen tot" und zuletzt "Totenstarre". Der psychiatrische Gutachter Ingo Baltes ist überzeugt, dass damit die einzelnen Phasen des Todeskampfes der Studentin abgefragt wurden. Er hält den 31-Jährigen, trotz einer Depression und obwohl er in der Todesnacht GBL genommen hatte, für voll schuldfähig. Der junge Mann werde sich zu verantworten haben, sagte Baltes.

Das Urteil wird am 17. Februar erwartet.