Prozess wegen Babytod: Staatsanwalt verliest Anklage

Prozess wegen Babytod: Staatsanwalt verliest Anklage

Mit der Verlesung der Anklageschrift hat am Donnerstagmorgen der Prozess gegen eine 22-jährige Amerikanerin begonnen, die sich nach dem Tod ihres achtmonatigen Sohns im vergangenen Oktober unter anderem wegen des Vorwurfs der Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen vor dem Landgericht Trier verantworten muss.

(neb) Die junge Frau soll ihren Jungen nicht vor den mutmaßlichen Misshandlungen seines Vaters, eines auf der Airbase Spangdahlem stationierten Soldaten, geschützt haben. Da die psychologische Sachverständige zum Prozessauftakt nicht anwesend sein konnte, wurde die Verhandlung nach Verlesung der Anklage vertagt.

Staatsanwalt Jörn Patzak berichtete von mehreren Übergriffen seitens des Vaters zwischen Ende Juli und Anfang September 2010. Mehrfach soll der Soldat seinen Sohn derart misshandelt haben, dass dieser Knochenbrüche und Verbrennungen erlitt. Seine 22-jährigen Frau habe von den Misshandlungen gewusst, aber nichts unternommen, betonte Patzak: "Die Angeklagte war an den Taten beteiligt, indem sie es unterließ, ärztliche Hilfe zu holen und den Vater dazu zu bewegen, innezuhalten."
Mehrfach sei die Familie im Wittlicher Krankenhaus gewesen, auch der Airbase Spangdahlem sollen die Probleme bekannt gewesen sein: Auf Veranlassung einer Ärztin wurde dem Paar eine Art Sozialarbeiter zur Seite gestellt.

Gebracht hatte es jedoch nichts: Anfang September 2010 wurde das Baby erneut ins Wittlicher Krankenhaus gebracht. Mit irreparablen Hirnschäden, die letztlich zu seinem Tod Ende Oktober führten. Laut Anklage soll sein Vater es zuvor heftig geschüttelt haben, während die 22-Jährige erneut nichts unternahm, um ihn abzuhalten. "Als Mutter wären Sie verpflichtet gewesen, Ihren Sohn der Eingriffsmöglichkeit des Vaters zu entziehen", wandte sich der Staatsanwalt an die Angeklagte.

Der Prozess wird am 11. März fortgesetzt.

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