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Qualitäts-Ampel für die Pflege

Qualitäts-Ampel für die Pflege

Von Grün bis Rot: Ein Urteil nach Ampelfarben könnte bald für verbraucherfreundliche Qualitätsberichte über Heime und ambulante Dienst sorgen. Pflegebedürftige und Angehörige müssten informiert werden und vergleichen können, so der Medizinische Dienst der Krankenkassen und die Verbraucherzentrale.

Mainz. Ein Qualitätsbericht "von Experten für Experten" waren bislang die jährlich zusammengefassten Kontrollen von Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten durch den Medizinischen Dienst (MDK), wie Martin Canzler als zuständiger Koordinator für die Qualitätsprüfungen einräumt. Zu grundsätzlich und nur anonymisiert wurden Versorgungs- und Pflegemängel oder unzureichend qualifiziertes Personal angesprochen.

Gegen eine Veröffentlichung der Einzelberichte wehrten sich vor allem die Heime. "Transparenz war bislang nicht möglich, schon gar keine nachvollziehbare", sagt Sabine Strüder, Pflegeexpertin der Verbraucherzentrale.

Ab kommendem Jahr müssen die Einzelergebnisse der Überprüfungen veröffentlicht werden, so regelt es ein neues Gesetz. MDK und Verbraucherzentrale (VZ) schlagen in einem gemeinsamen Konzept ein vierstufiges Bewertungssystem nach den Ampelfarben von dunkelgrün für gute Pflegequalität über hellgrün (zufriedenstellend) bis zu gelb und rot für kritische oder sogar gefährliche Pflegedefizite vor, um einen leicht nachvollziehbaren Überblick über die kontrollierten Einrichtungen zu geben.

Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen zudem endlich die Qualität verschiedener Heime und Dienste miteinander vergleichen können. Das Konzept hebt auf neun unterschiedliche Prüfbereiche von der pflegerischen und medizinischen Versorgung über Ausstattung und Mitarbeiterverhalten bis zu den sozialen Kontakten und Angeboten ab. Auch die Versorgung verwirrter Bewohner (Demenzkranke) soll gesondert bewertet werden.

Ein Gesamtresultat und Durchschnittswerte würden die Einzelergebnisse zu sehr verwässern, ist Strüder sicher. Durch die Aufteilung könnten Betroffene viel besser erkennen, wie geeignet die Einrichtung für ihre individuellen Bedürfnisse ist. Doch sollen nicht nur die Farb-Balken den ersten Überblick vermitteln. Bei Interesse kann über den offengelegten Fragebogen und den unmittelbaren Prüfbericht noch detaillierter in die Qualitätsprüfung Einblick genommen werden.

In die Berichte fließt auch die Einschätzung von Heimbewohnern ein, betont Canzler. Zehn Prozent der Bewohner werden befragt, ob Mitarbeiter in den vergangenen Wochen unfreundlich waren oder wie auf Beschwerden reagiert wird. Kein Thema sind bei den Überprüfungen die Pflegekosten.

Bis Ende September müssen nun Gesundheitsministerium, Pflegekassen und Verbände sich verständigen, ob die Bewertungs-Ampel im Jahr 2009 Realität wird. In Rheinland-Pfalz prüft der MDK derzeit jährlich rund 300 der insgesamt 800 stationären Pflegeeinrichtungen und ambulanten Dienste. Ab 2011 sind alle einmal pro Jahr zu kontrollieren. Seit diesem Jahr finden die Überprüfungen bereits ohne Voranmeldungen statt.