1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Querelen in der AfD: Landesparteichef Uwe Zimmermann will seinen Stellvertreter loswerden

Querelen in der AfD: Landesparteichef Uwe Zimmermann will seinen Stellvertreter loswerden

In der Führungsetage der rheinland-pfälzischen Alternative für Deutschland (AfD) ist Feuer unterm Dach. Der Vorsitzende und sein Vize sind sich offensichtlich spinnefeind. Im neuen Jahr dürfte sich entscheiden, wer als Sieger vom Platz geht.

 Christian Schreckenberger, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Rheinland-Pfalz
Christian Schreckenberger, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Rheinland-Pfalz Foto: privat

Als Uwe Zimmermann im November vergangenen Jahres zum neuen Landesvorsitzenden der eurokritischen Partei AfD gewählt wurde, da hatte der Trierer Hochschulprofessor ein ehrgeiziges Ziel: Zimmermann wollte den bis dato intern heftig zerstrittenen Landesverband zusammenführen. Keine einfache Aufgabe. Doch der 55-jährige Maschinenbauprofessor schien sie gut zu managen. Zumindest nach außen hin war von internen Querelen lange Zeit nichts mehr zu hören. Bis unlängst ein Schreiben Uwe Zimmermanns an alle Mitglieder des Landesverbands bekannt wurde, in dem der AfD-Vorsitzende gegen seinen Stellvertreter Christian Schreckenberger mächtig vom Leder zieht und dessen Rücktritt fordert.

Hauptkritikpunkte: Schreckenberger, Sohn des ehemaligen Kohl-Vertrauten und Kanzleramtsministers Waldemar Schreckenberger, torpediere die Arbeit des Vorstands, sei notorisch unzuverlässig und habe sich darüber hinaus für die Aufnahme eines ehemaligen NPD-Funktionärs in die AfD starkgemacht.

Bereits einen Monat zuvor hatte der AfD-Landesvorstand mit 8:1 Stimmen einen Missbilligungsbeschluss gegen Schreckenberger gefasst. Das sei "eine Art freundliche Ermahnung" gewesen, meinte ein Vorstandsmitglied im Gespräch mit unserer Zeitung.
Christian Schreckenberger selbst wies die Vorwürfe im Gespräch mit der Mainzer Allgemeinen Zeitung als "Unverschämtheit" zurück und sieht sich einer Diffamierungskampagne ausgesetzt. Die Volksfreund-Redaktion erreichte den 42-jährigen Juristen am Dienstag zwar telefonisch; ein zugesagter Rückruf blieb allerdings aus.

In seiner Vorstellung auf der Internetseite des Landesverbands schreibt Schreckenberger, sein Weg in die AfD sei über den "wachsenden Widerstand gegen den schleichenden Verlust unserer Meinungs- und Gesinnungsfreiheit" erfolgt. In Deutschland gebe nicht die Mehrheit des Volkes, sondern "elitäre Netzwerke mit privilegiertem Medienzugang" den Ton an. Wie der parteiinterne Streit zwischen dem eloquenten Schreckenberger und seinem Widersacher Uwe Zimmermann weitergehen wird, ist offen. Die AfD-Landesspitze hat sich derzeit offenbar vornehme Zurückhaltung verordnet, um den vorweihnachtlichen Frieden nicht zu stören. "Ich äußere mich dazu nicht weiter, um Ruhe einkehren zu lassen", meinte der in Saarburg wohnende Landesvorsitzende Uwe Zimmermann. "Jetzt ist erst einmal Weihnachten", meinte auch die zweite Stellvertreterin Zimmermanns, Beatrix Klingel.

Andere aus dem Führungskreis des Landesverbands, die ihren Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen wollen, werden deutlicher. "Wenn Schreckenberger nicht einsichtig ist, setzen wir beim nächsten Parteitag jemanden dagegen, und dann erledigt sich das Thema von ganz alleine", sagt ein AfD-Funktionär.

Der nächste Landesparteitag ist zwar noch nicht terminiert, wird aber nach Angaben des Landesvorsitzenden Uwe Zimmermann voraussichtlich im Frühjahr sein. Dann wird auch der komplette Vorstand neu gewählt.
Erklärtes Ziel der Partei ist der Einzug in den nächsten rheinland-pfälzischen Landtag. In Umfragen rangiert die Landes-AfD zwischen vier und sechs Prozent.