Radler nehmen Sicherheit nicht ernst genug

Radler nehmen Sicherheit nicht ernst genug

Die Fahrradsaison hat bereits begonnen. Bundesverkehrminister Peter Ramsauer (CSU) sorgt sich um das "laxe Verhältnis" der Radfahrer zur eigenen Sicherheit. Eine Helmpflicht kommt für ihn aber nicht in Frage, betont der Minister im Gespräch mit unserem Berliner Korrespondenten Hagen Strauß.

Berlin. (has)

Herr Minister, wie oft nutzen Sie noch das Fahrrad?

Ramsauer: Ich habe als Bundesminister zugegebenermaßen nicht mehr oft Gelegenheit, Fahrrad zu fahren. Meine Termine liegen zeitlich so eng und räumlich so weit auseinander, dass ich bei dienstlichen Terminen nicht aufs Rad umsteigen kann. Aber in der Freizeit sieht es zum Glück besser aus. Da fahre ich mit dem Rad gerne mal in die Berge.

Was wollen Sie unternehmen, um mehr Menschen zum Umstieg vom Auto aufs Rad zu bewegen?

Ramsauer: Ich halte nichts davon, die verschiedenen Formen der Fortbewegung gegeneinander auszuspielen. Jedes Verkehrsmittel hat seine Vor- und Nachteile. Das Rad ist besonders attraktiv auf kurzen Strecken um die sechs Kilometer und natürlich in der Stadt. Genau da setzen wir an. Deshalb fördern wir zum Beispiel öffentliche Leihfahrradprojekte.

Eigentlich sind ja die Kommunen für das Thema zuständig, aber die leiden unter leeren Kassen. Wird dort noch genug getan für Radfahrer?

Ramsauer: Es gibt sehr fahrradfreundliche Städte wie Münster oder Freiburg im Breisgau. Und es gibt andere, die da nicht so viel tun. Das scheint mir weniger mit Geld als mit der Einstellung der handelnden Personen zu tun zu haben. Natürlich kosten einige Dinge auch Geld - gesonderte Radwege zum Beispiel. Der Bund geht da als Vorbild voran. Wir stellen jedes Jahr mit rund 100 Millionen Euro eine beträchtliche Summe für den Radverkehr zur Verfügung.

Verkehrsregeln werden auch von Radfahrern immer häufiger missachtet, und die Aggressivität wächst. Was lässt sich dagegen tun?

Ramsauer: In der Regel kommen die Verkehrsteilnehmer in Deutschland gut miteinander aus. Jetzt im Frühjahr sind wieder deutlich mehr Radfahrer unterwegs als im Winter. Die Erfahrung zeigt, dass es immer eine Weile braucht, bis man sich aneinander gewöhnt. Mehr Sorge macht mir das laxe Verhältnis vieler Radfahrer zur eigenen Sicherheit. Laut einer aktuellen Studie des ADAC hat jeder Fünfte überhaupt kein Licht am Rad und über 40 Prozent der Radfahrer schalten das Licht auch nachts nicht ein. Dann noch mit dunkler Kleidung unterwegs - das ist einfach dumm.

Aus der FDP gibt es den Vorschlag der Einführung von Verkehrserziehung für Radfahrer bei zu vielen Verstößen. Was halten Sie davon?

Ramsauer: Ich halte wenig von solchen Forderungen nach immer mehr Staat. Im Vordergrund der Verkehrserziehung sollten freiwillige Maßnahmen stehen.

Wie stehen Sie zum Thema Helmpflicht oder Fahrradkennzeichen wie in der Schweiz?

Ramsauer: Ich kann nur jedem Fahrradfahrer dringend empfehlen, einen geeigneten Helm zu tragen. Insbesondere Erwachsene sollten Kindern in dieser Hinsicht ein Vorbild sein. Von einer Helmpflicht halte ich aber nichts.

Ich will lieber mit guten Argumenten überzeugen. Die steigende Zahl von Radfahrern, die einen Helm tragen, gibt diesem Ansatz Recht. Die Einführung einer Kennzeichnungspflicht für Fahrräder ist in der Vergangenheit wiederholt gefordert worden. Ich halte das für wenig praktikabel. Wir haben schließlich rund 67 Millionen Fahrräder in Deutschland.

Wie stehen die Chancen, eines Tages Fahrräder auch im ICE mitzunehmen?

Ramsauer: Viele Menschen wollen heutzutage verständlicherweise ihre eigenen Fahrräder mitnehmen.

Die Deutsche Bahn tut viel, um das zu unterstützen. In den Regionalzügen ermöglichen eigene Waggons die Mitnahme von Fahrrädern. Wir sind mit Herrn Grube im Gespräch, inwieweit das auch auf ausgewählten Strecken mit dem ICE klappen könnte.

ICEs müssen schnell und pünktlich sein - da ist es eine Herausforderung, Sperrgepäck zu transportieren, ohne dass es längere Aufenthalte gibt.

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