1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Trailliebe versus Landeswaldgesetz: Wo ist das Mountainbiken erlaubt?

Ratgeber : Wanderwege mit dem Mountainbike fahren? Wo man wirklich biken darf und was verboten ist

Der Fahrradmarkt boomt und Radfahren ist beliebter denn je: Insbesondere auf dem MTB sind viele Menschen gerne unterwegs. Doch wo darf ich überhaupt legal Mountainbiken?

Rheinland-Pfalz ist prädestiniert für Mountainbiking: tolle Mittelgebirge und viele Wälder mit vielerorts großartigen Wegen. Die Vielfalt an Möglichkeiten ist groß. Doch die Frage aller Fragen: Wo darf offiziell und legal Mountainbike gefahren werden?

Während Rennradfahrern mit Radwegen und Landstraßen en masse regelrecht verwöhnt werden, müssen sich Mountainbiker per Gesetz mit Wald- und Schotterwegen zufrieden geben. Das entspricht nicht ganz dem Einsatzzweck, haben Mountainbikes heute doch zwischen 100 und 200 Millimeter Federweg, breite Stollenbereifung und eine abfahrtslastige Rahmengeometrie.

Die Gesetzeslage: Wo darf ich Mountainbike fahren?

In Paragraf § 22 des Landeswaldgesetzes (LWaldG) ist niedergeschrieben, auf welchen Wegen Radfahren erlaubt ist: „Radfahren und Reiten sind im Wald nur auf Straßen und Waldwegen erlaubt.“ Doch was genau gilt überhaupt als Waldweg? „Waldwege im Sinne dieses Gesetzes sind nicht dem öffentlichen Verkehr gewidmete, dauerhaft angelegte oder naturfeste forstliche Wirtschaftswege“, heißt es. Die Einordnung als Waldweg geschieht in Rheinland-Pfalz auf Basis der Zweckbestimmung als befahrbarer Wirtschaftsweg. Abseits von offiziellen Waldwegen sowie auf Fußwegen, Pfaden und Wanderwegen darf mit dem Fahrrad nicht gefahren werden. Die Breite des Weges ist in Rheinland-Pfalz nicht relevant. Es gibt keine zusätzlich verschärfende „Zwei-Meter-Regel“, wie sie in Baden-Württemberg gilt. Waldeigentümer haben jedoch die Möglichkeiten, dem Befahren außerordentlich zuzustimmen, sofern der Wald dadurch nicht beeinträchtigt wird.

Wie ordnen Biker die Gesetzeslage ein?

Als Beispiel aus der Region: Folglich dieser Regelung sind auch die schönen Wanderwege rund um Trier, beispielsweise der Saar-Hunsrück-Steig und dessen Traumschleifen sowie der beliebte Felsenpfad, der von der Fachhochschule Trier Richtung Biewer führt, verboten.

Doch da für eine Zweckbestimmung als Pfad oder Fußweg amtliche Schilder aufgestellt werden müssen und eine Beschilderung als Wanderweg nicht ausreichend ist, kommt die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) zum Schluss, dass auf allen „zumindest naturfesten Waldwegen unabhängig von deren Breite das Radfahren erlaubt ist, soweit diese nicht ausdrücklich als Sonderwege für Fußgänger gekennzeichnet sind.“ Heiko Mittelstädt von der DIMB erklärte gegenüber BIKE: „Die Definitionen, wo Biken erlaubt ist, sind oft sehr schwammig formuliert. Was ist der Unterschied zwischen einem Fußweg und einem Fußpfad? Oder was heißt, Biken ist auf festen Wegen erlaubt?“

Das Problem Problematik: Gemeinsames Trailsharing

Auf einigen Strecken und Wegen sind Mountainbiker unerwünscht, auf vielen ist das Befahren mit dem Fahrrad und Mountainbike gar gesetzlich untersagt. Doch kaum ein Biker will einfach nur langweilige Forst- und Waldwege fahren. Daher suchen Mountainbiker nach Strecken mit hohem Trailanteil oder reine MTB-Wege – es braucht legale und gut gepflegte Trails, um Konflikte zu vermeiden. Denn das Problem ist einfach: Dieselben Wege werden von verschiedenen Parteien mit unterschiedlichsten Interessen gemeinsam genutzt. Viele Mountainbiker ärgern sich darüber, dass es so wenige legale Strecken gibt. Ihr Argument: Sie seien naturbewusst und es ginge ihnen um das Draußensein, Naturerlebnis und Sporttreiben.

Was kann in Zukunft für Mountainbiker passieren?

Immer wieder gibt es Auseinandersetzungen zwischen Mountainbikern und Wanderern, Waldbesitzern oder Reitern. Das scheinen aber Ausnahmen zu sein, meist geht es im Wald freundlich und mit gegenseitiger Rücksichtnahme zu. Die vereinzelten Probleme liegen daran, dass alle Waldbewohner auf denselben Wegen unterwegs sind. Wichtig ist der Bau neuer sowie die Legalisierung bestehender MTB-Trails. In unmittelbarer Nähe zu Trier gibt es bereits einige Möglichkeiten, legal anspruchsvolle Strecken mit dem Mountainbike zu fahren, zum Beispiel im Trailpark Mehring, Trierer Weishauswald oder in Trassem.

„Wir hätten gerne nicht nur eine Strecke, sondern eine Strecken-Infrastruktur, damit man hier in allen Gebieten eine schöne Mountainbike-Tour fahren kann“, sagte Marco Schweigert 2021 im SWR-Interview. Eine Wegetrennung – also verschiedene Wege für Mountainbiker, Wanderer und andere Parteien – sei eine mögliche Lösung. Außerdem betont er, dass der Forst den erhöhten Bedarf an Mountainbike-Strecken bereits erkannt habe. Die Nutzung möglicherweise illegaler Wege sei hingegen „seit über 20 Jahren gelebte Praxis“.

Drohen Strafen, wenn ich trotzdem auf Wanderwegen fahre?

Da die Landeswaldgesetze und Naturschutzgesetze Ländersache sind und in allen Bundesländern unterschiedlich aussehen, kann die Frage nicht pauschal beantwortet werden. Eine offizielle Rechtsprechung gibt es in Rheinland-Pfalz jedenfalls noch nicht. In anderen Bundesländern kam es bereits zu Klagen und Gerichtsverhandlungen. Beim Fahren nicht zur öffentlichen Nutzung freigegebener Wege muss in jedem Fall mit einem Bußgeld gerechnet werden.