Ratlos und wütend

TRIER. Es ist Sand im Getriebe des Verkehrsverbunds Region Trier (VRT). Der seit fünf Jahren existierende Zweckverband wird ab Januar ohne Vorsitzenden da stehen. Auch einen neuen Nahverkehrsplan für die Region wird es vorerst nicht geben.

Punkt fünf der Tagesordnung der Sitzung des VRT-Zweckverbands sollte reine Formsache sein: Wahl eines Verbandsvorstehers. Die Amtszeit des jetzigen, Trier-Saarburgs Landrat Richard Groß (CDU), endet in ein paar Wochen. Groß hört als Landrat auf. Der Hinweis, dass durch die Wahl eventuell auch ein neuer Stellvertreter gewählt werden müsste, erntete vom Zweckverbandsgeschäftsführer, Martin Böckel, nur ein verdutztes Staunen. Es war zwischen dem jetzigen Verbandsvorsteher Richard Groß und Böckel ausgemachte Sache, dass der neue Landrat von Trier-Saarburg, Günther Schartz (CDU), den VRT-Vorsitz übernehmen sollte. Dass es dazu einen Gegenvorschlag geben könnte, daran verschwendeten die beiden offensichtlich keinen Gedanken. Jedenfalls soll der Zweckverbands-Vize, der Trierer Baudezernent Peter Dietze, von Groß noch nicht einmal gefragt worden sein, ob er seinen Hut in den Ring werfen möchte. Erwartungsgemäß schlug die Stadt Trier, die neben den vier Landkreisen Mitglied im Zweckverband ist, Dietze vor. Seit Gründung des VRT vor fünf Jahren wechseln sich Trier-Saarburg und Trier beim Vorsitz ab. Turnusgemäß wäre damit die Stadt an der Reihe gewesen. Dietze sei der erfahrenere Mann, Schartz müsse sich erst noch einarbeiten, begründete das Trierer Stadtratsmitglied Rainer Lenhart (SPD) den Vorschlag. Und der stieß zumindest nicht auf taube Ohren. Die Delegierten aus Bitburg-Prüm stimmten überraschenderweise zusammen mit Trier für den Dezernenten. Obwohl Daun, Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg (allerdings dem Vernehmen nach nicht einstimmig) für Schartz stimmten - reichte es nicht für den Groß-Nachfolger. Vier Zweckverbandsmitglieder hätten laut Satzung mit Ja stimmen müssen. Deutliche Schlappe für Schartz und den VRT, der nun ohne Vorsitz da steht. Doch die Zweckverbandssitzung, zu der vorsichtshalber die Medien erst gar nicht eingeladen wurden, legte weitere Baustellen offen. Groß und Dietze konnten nicht entlastet werden, da die VRT GmbH und der Zweckverbandsgeschäftsführer keinen Geschäftsbericht vorlegen konnten. Ein Grund sicher dafür: Die VRT-Geschäftsstelle im Trierer Bahnhof ist seit Oktober praktisch führungslos. Der Geschäftsführer der VRT GmbH, Wolfgang Hammermeister, ist seit kurzem Geschäftsführer des Rhein-Nahe-Verkehrsverbunds in Ingelheim. Zur VRT GmbH gehören 17 Verkehrsunternehmen aus der Region. Die GmbH hat ein Geschäftsvolumen von knapp drei Millionen Euro. 32-Jährige soll Geschäfte leiten

Hammermeisters Vertrag in Trier wäre noch ein Jahr gelaufen. Auch wenn der Geschäftsführer bekundet, mit einem weinenden Auge den Posten aufgegeben zu haben, nachdem er das Angebot aus Ingelheim bekommen habe, scheinen zumindest einige nicht unfroh zu sein, dass der Saarländer den Platz geräumt hat. Seit Jahren dümpele die Vermarktung des VRT dahin und der Dominanz einiger Verkehrsbetriebe habe man nichts entgegengesetzt, heißt es. Hammermeisters Nachfolgerin soll die 32-jährige Veronika Zänglein werden. Die Kasselerin arbeitet bei einer Kieler Unternehmens- und Kommunalberatung und war dort maßgeblich für die Entwicklung des Schleswig-Holstein-Tarifs im Nahverkehr verantwortlich. Auf die Diplom-Geografin wartet in Trier jedenfalls kein leichter Job. Denn, auch das wurde bei der Zweckverbandssitzung deutlich, "Strippenzieher" beim VRT ist vor allem der Zweckverbandsgeschäftsführer Böckel, der seinen Sitz in der Trier-Saarburger Kreisverwaltung hat. Der Kreisverwaltungsdirektor ist der Macher im Hintergrund, die linke Hand von Groß in Sachen Nahverkehr und Gegenspieler des Geschäftsführers der VRT GmbH. Doch Böckel erlitt bei der Zweckverbandssitzung eine herbe Schlappe. Der Nahverkehrsplan für die Region Trier wurde nicht verabschiedet. Die meisten der 116 Vorschläge der Kommunen und Verkehrsbetriebe zur Verbesserung des Bus- und Bahnverkehrs wurden von Böckel im Voraus abgeschmettert. Zum Ärger der Verbandsmitglieder, zumal Böckel keine plausiblen Begründungen dafür liefern konnte. Offenbar wurde davon ausgegangen, dass der Plan klaglos verabschiedet werden würde. So sah man keine Notwendigkeit, das Karlsruher Planungsbüro, das mit der Erstellung beauftragt ist, einzuladen. Ergebnis der knapp einstündigen Beratung über den Nahverkehrsplan: Ratlose und zum Teil wütende Zweckverbandsmitglieder und ein zerknirschter Verbandsgeschäftsführer.

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