Raubzüge vor der Tür

ZEMMER. Eine Serie von Autoaufbrüchen erschreckt derzeit die Bewohner ländlicher Gemeinden in der Region. Am Mittwochmorgen erlebten Zemmerer Bürger ein böses Erwachen. Mit roher Gewalt hatten unbekannte Täter ihre Fahrzeuge aufgebrochen, Radios und Navigationssysteme gestohlen.

"Ich hätte nie gedacht, dass mir mal jemand was aus dem Auto klaut", sagt Silke Pfeiffer immer noch fassungslos. Sie steht vor ihrem Kleinwagen, dessen auffälligstes Merkmal bis zur Nacht von Dienstag auf Mittwoch ein großer Babysitz war. Jetzt ist es die verbogene Beifahrertür, die aufgehebelt worden ist. Innen hängen lose Kabel aus der leeren Mittelkonsole. "Das Radio ist gestohlen worden", zeigt die junge Mutter. "Das war ein Geschenk. Ich bin so traurig, ich habe weinen müssen." Trauer und Wut bewegen an diesem Morgen auch 13 weitere Fahrzeugbesitzer im Ort. Sabrina May zum Beispiel, an deren Auto Diebe das Schloss aufgebohrt hatten, um an Radio und Navigationssystem zu kommen. Die Nachricht vom Raubzug, der jeden hätte treffen können, der ein Autoradio besitzt, verbreitet sich wie ein Lauffeuer durchs Dorf, ist Gesprächsthema an der Bushaltestelle, in den Läden oder am Bäckerfahrzeug. "Dass die sich das trauen, hier vor all den Fenstern", wundert sich Ingrid Adams über die Dreistigkeit der Diebe, die auf offener Straße und privaten Stellplätzen zugeschlagen hatten. Sie wohnt in Silke Pfeiffers Nachbarschaft und kann aus ihrer Wohnung direkt auf die parkenden Autos schauen. "Ich bin nachts um 2 Uhr noch mal mit der Katze draußen gewesen, habe aber nichts bemerkt." Im Nachhinein bekommt sie es mit der Angst zu tun. "Wenn ich gewusst hätte, dass hier Gangster unterwegs sind, wäre ich doch nicht rausgegangen. Aber bei uns rechnet man doch nicht damit." Ihr eigenes Auto hatte sie vor dem von Silke Pfeiffer abgestellt. Es war nicht abgeschlossen, blieb aber vom Raubzug verschont. Eine andere Nachbarin weiß, dass jemand in der Hauptstraße die Täter bemerkt und angesprochen hat, woraufhin diese geflohen seien. Ingrid Adams hat telefonisch eine Bekannte in Rodt alarmiert: "Stell’ bloß dein Auto in die Garage, morgen sind sie vielleicht bei euch." "Vor ein paar Jahren ist es schon mal passiert, da ist hier in der Nachbarschaft eine Scheibe eingeschlagen worden", erinnert sich Michael May, der Bruder von Sabrina. "Vielleicht muss man sich dran gewöhnen. Heute waren sie bei uns, morgen sind sie 40 Kilometer weiter, und dann kommen sie wieder zurück."